Sondermarke brachte besonderen Service

22. September 2004, 11:41
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Sonderbriefmarken können den Postweg in Österreich gefährden, erfuhr ein Kunde - Die Post registriert monatlich mehr als 2000 Beschwerden

Wien - Herr Fegerl hat einen Fehler gemacht. Denn die Verwendung einer österreichischen Sondermarke hat ihn über eine Stunde seines Lebens gekostet. Auch bei anderer Gelegenheit ist die Post ein ziemlicher Zeitdieb, was durch ein neues Entlohnungsschema geändert werden soll.

Zunächst zu Herrn Fegerls Geschichte: Der Wiener wollte Mitte August einen elf Gramm schweren Brief in die USA aufgeben. Porto: 1,25 Euro, entrichtet mit der Sondermarke "150 Jahre Kaiserhochzeit" (siehe Bild). Umso größer war seine Überraschung, als das Schreiben drei Tage später mit einer Portonachforderung über 25 Cent wieder in seinem Briefkasten lag.

Der erste Versuch, den Grund der Nachforderung zu klären, war mäßig erfolgreich. Im Postamt 1010 Wien erklärte eine Mitarbeiterin freundlich, die verwendete Marke habe nur einen Nennwert von einem Euro. Der Beweis des Gegenteils ließ sie erstaunt zurück.

Unternehmenszentrale

Hilfe fand der sendungswillige Herr Fegerl dann in der Unternehmenszentrale. Er trug sein Anliegen einem Mitarbeiter vor, der Brief, Marke und Nachforderung aufmerksam studierte. Die erste Postlervermutung, der Brief sei möglicherweise zu schwer, stellte sich noch als falsch heraus. Doch dann erkannte der Mitarbeiter die Wurzel des Übels: Die Ziffer 25 auf der Marke sei kleiner als die 1.

Aus verständlichen Gründen wies Herr Fegerl die Verantwortung für die Gestaltung der Postwertzeichen ebenso von sich wie jene für die Lesefähigkeit der Post-Mitarbeiter. Um dieses Problem zu lösen, bestätigte sein Gegenüber schließlich auf dem Kuvert handschriftlich den Wert der Marke - neben derselben.

Bei der "Österreichischen Post AG" bedauert man den Vorfall. Bisher seien aber noch keine anderen Beschwerden über die Gestaltung der Kaiser-Marke eingelangt, betont Pressesprecher Michael Homola. Allerdings finden die Österreicher genügend andere Gründe, sich über den Service der Post zu beschweren: Bei der Ombudsstelle langen monatlich zwischen 2000 und 2500 Beschwerden ein.
60 bis 70 Prozent betreffen laut Michael Homola mangelhafte Briefzustellung - wenn die Post beim Nachbarn landet, Brief oder Zeitschrift zerknittert sind oder zu spät kommen. Rund 500 Menschen greifen allerdings jedes Monat wegen eines zeitraubenden Problems zum Telefonhörer: Wenn statt des erhofften Packerls oder des eingeschriebenen Briefs ein gelber Zettel im Postkasten liegt.

Zettel statt Klingel

Diese so genannten Benachrichtigungen über einen erfolglosen Zustellversuch sollten eigentlich nur verwendet werden, wenn der Empfänger nicht zu Haus war. Das Paket oder der Brief wird dann bei einem Postamt zur Abholung hinterlegt. Allerdings scheint es immer wieder Zusteller zu geben, die aufs Anläuten verzichten und gleich den Zettel in den Briefkasten stecken - auch wenn der Empfänger anwesend ist.

Postsprecher Homola betont zwar, dass die Zahl der Beschwerden angesichts der Millionen täglich zugestellten Poststücke verschwindend gering ist, das Problem mit den gelben Benachrichtigungen ist aber offenbar schon bis zur Konzernspitze durchgedrungen. Als Reaktion wurde mittlerweile das Entlohnungsschema verändert: Wer weniger Pakete zurück ins Postamt bringt, bekommt einen Bonus. (Michael Möseneder, Der Standard, Printausgabe,

  • Sonderwertzeichen mit Wertaufdruck zum Nachdenken
    foto: post

    Sonderwertzeichen mit Wertaufdruck zum Nachdenken

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