Ostfirmen entdecken Österreich

24. September 2004, 13:43
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Noch wenige osteuropäische Unternehmen in Österreich, aber es werden mehr

Wien - 171 Anfragen von Unternehmen aus den neuen EU-Ländern verzeichnete Österreichs offizieller Ansiedlungsberater, die Austrian Business Agency (ABA), heuer bereits. Knapp die Hälfte erreichten die ABA im April und Mai, also unmittelbar vor dem EU-Beitritt. Besonders interessant sei die Region um Wien, weil es hier kaufkraftstarke Kunden gäbe und viele internationale Unternehmen ihre regionalen Headquarters hätten, erklärt Birgit Braunwieser, ABA-Projektleiterin für Mittel- und Osteuropa.

Durch den EU-Beitritt fielen einerseits die Handelsschranken, andererseits ersparen sich Unternehmen mit Österreich-Töchtern jetzt die Aufenthaltsgenehmigung. Allerdings dürfen nur Mitarbeiter angestellt werden, die am österreichischen Arbeitsmarkt zugelassen sind. Ausnahmen gibt es nur für Schlüsselkräfte. Für Selbstständige aus dem Osten gibt es keine Niederlassungsbeschränkungen mehr.

Eeinzigartige Leistung anbieten

Ausschlaggebend für den wirtschaftlichen Erfolg sei, eine einzigartige Leistung anzubieten, da der Markt schon sehr gesättigt sei, so Braunwieser. "Newcomer" am österreichischen Markt ist etwa Kuert, ein ungarischer Datenrettungsspezialist. Seit wenigen Wochen in Wien sieht die Firma ihren Kostenvorteil darin, dass es billiger ist, Software in Ungarn zu entwickeln, sagt Geschäftsführer Harald Fasching. Bereits gut etabliert ist die slowenische Medienhandelskette BOF (seit 2002 in Graz, seit 2003 in Wien), die 103 Österreicher beschäftigt.

Direktinvestitionen aus Mittel- und Osteuropa in Österreich betragen derzeit nur knapp drei Prozent des Gesamtvolumens der Auslandsbeteiligungen bei Unternehmen mit einem Mindestnominalkapital von 70.000 Euro, errechnete die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Tendenz steigend: Kamen Mitte der Neunzigerjahre nur etwa 200 Mio. Euro an Direktinvestitionen aus dem Osten, waren es 2002 bereits mehr als eine halbe Milliarde. Insgesamt flossen im dem Jahr etwa 41,5 Mrd. Euro nach Österreich.

Der größte Anteil der Investitionen aus den neuen EU-Ländern entfällt laut OeNB auf Unternehmen aus Slowenien (Haushaltsgerätehersteller Gorenje), Ungarn (Mineralölkonzern Mol, Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn) und Russland (Donaubank). Laut Firmenbuch sind derzeit 864 GmbH - meist kleine Dienstleister - in Österreich tätig, in denen mindestens ein Gesellschafter aus einem südöstlichen Nachbarland kommt. Seine Aktivitäten verstärken will Tschechien. Die Brünner Messe ist bereits, die tschechische Agentur für Handelsförderung, Czechtrade, wird demnächst nach Wien kommen. (Nadja Hahn, Der Standard, Printausgabe, 20.09.2004)

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