"Zitronen" profitieren mehr von einer Übernahme als "Rosinen"

24. September 2004, 13:43
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WU-Studie: Austrofirmen eher selten begehrt als Übernahmeobjekt

Wien - Unterdurchschnittliche oder schwach aufgestellte österreichische Unternehmen ("Zitronen") profitieren von einer Übernahme durch ein ausländisches Unternehmen deutlich stärker als überdurchschnittliche Unternehmen ("Rosinen"). Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) über die Auswirkungen ausländischer Übernahmen auf die Produktivität übernommener österreichischer Firmen.

Die Wahrscheinlichkeit für Austrofirmen, von Ausländern aufgekauft zu werden, ist laut Studie generell aber sehr gering. Wenig profitable Unternehmen und Kapitalgesellschaften werden eher übernommen als profitable (Familien-)Betriebe. Kein Zusammenhang besteht demnach zwischen Übernahme und Investitionsquote oder Exportneigung.

"Selektionsphase" wichtiger als "Eingliederungsphase"

"Es ist klar erkennbar, dass sich die Übernahme bei den ,Zitronen' positiver auswirkt als bei den ,Rosinen'", so die Studienautoren Michael Pfaffinger, Michael Wild und Christian Bellak. Für Wachstum, Produktivität und Profitabilität der übernommenen Firma sei fast ausschließlich der Zustand vor der Übernahme - die "Selektionsphase" - verantwortlich, nicht jedoch die "Eingliederungsphase", also jene nach der Übernahme.

Eine nähere Betrachtung der "Zitronen" zeigt, dass deren Beschäftigungswachstum zwei Jahre nach der Übernahme hinter jenem der Vergleichsgruppe (Kontrollgruppe) nicht übernommener Firmen liegt. Aber: Cashflow und Produktivität sind höher. Vier Jahre später sind alle drei Performancekoeffizienten größer - am ausgeprägtesten ist die Produktivität.

Ziemlich gleich ist hingegen die Performance nach zwei und vier Jahren. "Die Übernehmer scheinen also zumindest in der kurzen Frist vermutete Potenziale noch nicht ausschöpfen zu können bzw. überwiegen noch die Restrukturierungskosten", so die Studie. Bei den "Rosinen" zeigt sich zwei Jahre danach, dass Beschäftigungswachstum und Produktivitätswachstum geringer sind als in der Kontrollgruppe. Die Profitabilität weicht überhaupt signifikant negativ ab: "Offenbar führt die Akquisition zu hohen Anpassungskosten bzw. zu einem Transfer der Gewinne zur Muttergesellschaft mittels Verrechnungspreisen", vermuten die Studienautoren.

Der Studie basiert auf Bilanz- und Ergebnisdaten von rund 500 Industriebetrieben von 1989 bis 2002, wo 59 Firmen von ausländischen Unternehmen übernommen wurden (davon 37 "Rosinen" und 26 "Zitronen"). Der Dienstleistungssektor (z. B. die Banken) blieb also ausgespart. Eine Kontrollgruppe umfasste 377 Unternehmen. (APA, Der Standard, Printausgabe, 20.09.2004)

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