Grundig-Pleite bleibt vor Gericht

29. September 2004, 12:31
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Masseverwalter bringt Zivilklagen gegen Ex-Mehrheitseigentümer und Manager ein

Wien - Das gerichtliche Nachspiel um die Pleite des Grundig-TV-Werks in Wien vor mehr als einem Jahr weitet sich aus. Der Konkursverwalter und Wiener Anwalt Florian Gehmacher, der - wie berichtet - Strafanzeige wegen des Verdachts auf betrügerischen Bankrott eingebracht hatte, hat nun auch zwei Zivilklagen gegen den ehemaligen Mehrheitseigentümer und bayrischen Unternehmer Anton Kathrein sowie drei frühere deutsche Grundig-Manager nachgereicht. Das berichtet das deutsche Nachrichtenmagazin "Spiegel" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.

Im Kern geht es um den Vorwurf, die vier Personen hätten auf dubiose Methode 43 Mio. Euro von Wien ins deutsche Fürth, den Sitz der Grundig-Zentrale transferiert und damit dem Wiener Werk den Todesstoß versetzt.

Bis zu zehn Jahre Haft

Weil die Ermittlungen der Wiener Staatsanwaltschaft gegen Kathrein sowie den Ex-Vorstandsvorsitzenden Hans-Peter Kohlhammer und die beiden Ex-Vorstandsdirektoren Werner Saalfrank und Günther Moissl noch kein Ergebnis gebracht haben, habe Gehmacher jüngst noch zwei Zivilklagen über jeweils rund drei Millionen Euro eingebracht, schreibt der "Spiegel". Auf betrügerischen Bankrott stehen in Österreich in schweren Fällen bis zu zehn Jahre Haft.

Grundig Österreich war mit einem Passiva von 154 Mio. Euro in Konkurs gegangen. Zuvor war die deutsche Muttergesellschaft in die Insolvenz geschlittert nachdem ein seit September 2002 laufender Übernahme-Versuch des taiwanesischen Elektronikkonzerns Sampo letztlich gescheitert war.

Buchführungs-Modell mit drei Firmen

Als Voraussetzung für die Sampo-Übernahme sollte Grundig Deutschland die letzte verbliebene TV-Produktionsstätte schließen - und die stand in Wien. Die jetzt inkriminierten deutschen Manager entwickelten daraufhin ein Buchführungs-Modell mit drei Firmen - Werk, Vertriebsgesellschaft und die neu gegründete ACSR Vermögensverwaltungs GmbH. An die ACSR wurden alle Forderungen von Grundig Austria an die Muttergesellschaft von gut 43 Mio. Euro übertragen. Die ACSR war nur für einen Tag im Handelsregister Wien eingetragen - das reichte, um das Familiensilber des Wiener Werkes nach Deutschland zu transferieren, so der "Spiegel".

Sampo zog allerdings im Februar 2003 völlig überraschend das Angebot zurück, daraufhin stellten die Banken die Kredite fällig. Die Zentrale in Fürth musste Konkurs anmelden, Grundig Austria folgte mangels liquider Mittel.

Aus Deutschland heißt es zu den Vorwürfen, dass die Zentrale 54 Mio. Euro nach Wien überwiesen hätte, um Gläubiger-Interessen zu befriedigen. Laut "Spiegel" behaupten die österreichischen Gläubiger aber, mit diesem Betrag seien lediglich die laufenden Lieferungen nach Deutschland bezahlt worden. (APA)

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