"Friss oder Stirb": Spaß mit "Pullermann 6"

30. Oktober 2004, 14:00
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MTV-Deutschland unterbietet seit letztem Freitag bisher gezeigte Niveaulosigkeiten

Sollten sich kommende Generationen für den übelsten Auswurf der "Fernsehkultur" der Jahrtausendwende interessieren, werden sie auf Realityformate stoßen. MTV-Deutschland unterbietet seit letztem Freitag bisher gezeigte Niveaulosigkeiten mit "Friss oder stirb". Diese Serie begleitet die zwischen hartem Schlager und weichem Punk angesiedelte deutsche Band "Die Toten Hosen" um ihren Sänger Campino.

Der Inhalt der ersten von nicht weniger als 22 wöchentlich ausgestrahlten Folgen ging so: Die Band flog nach Sofia, die Bandlakaien, also die Roadies, reisten mit dem Bus an. (Das war genau so spannend inszeniert, wie es sich hier liest). In Sofia angekommen, startete man die "Balkantournee 2004".

Das war's. Die langen 30 Minuten Sendezeit wurden mit kurzen, dafür umso geistloseren Einzeilern bestritten, die die "Ättitjud" der Band total authentisch auf den Punkt bringen soll: "Da biste dann aber gefickt, ey." Allerdings.

Umgesetzt wird "Friss oder stirb" mit einer Wackelkamera und eingeblendeten Symbolen wie Bierdosen (Band durstig) oder Stinkefinger (Campino sauer). So, als bräuchte das gebotene Nichts noch Erklärungshilfen.

Der "narrative" Rest von "Friss oder stirb bot männliche Rituale, für die sich jeder Besoffene schämt, wenn er wieder nüchtern ist und merkt, dass er es doch nicht mehr aufs Klo, sondern nur noch bis zum Papierkübel geschafft hat: Pullerman 6.

Gesponsert wird die löbliche Serie übrigens von der Autoindustrie. Voll Punk, ey! (flu/DER STANDARD, Printausgabe, 20.9.2004)

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