Herbert Sausgruber, Wahlsieger mit Vertrauensbonus

30. September 2004, 12:40
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Verlässlichkeit brachte die "Absolute" zurück

Herbert Sausgruber ist ein Meister des Understatements. Nie und nimmer hätte er im Wahlkampf eingestanden, die Absolute anzupeilen. Einen "klaren Auftrag" hätte er gerne, wiederholte er unermüdlich auf entsprechende Journalistenfragen. Da dürfte es schon "ein Mandat mehr sein, vielleicht". Der 58-jährige Jurist (Zweitstudium: Katholische Theologie) hat ein Faible für weit schweifende Umschreibungen. Greifen Journalisten zum Mittel der Übersetzung, wird der VP-Chef sauer.

Beispielsweise, als Sausgruber indirekt einen Rückzug ankündigte, sollte seine Partei ein weiteres Mandat verlieren, und die Medien von "Rücktrittsdrohung" schrieben.

Er verliert auch die Contenance, wenn ihm "von draußen reinregiert wird". Ratschläge von Kanzler Schüssel verbittet er sich ebenso wie Wahlkampfauftritte des Landeshauptmann-Kollegen Jörg Haider auf Vorarlberger Hoheitsgebiet. Haiders Häme, Sausgruber sei mit seinem Wahlkampfthema Wohnbauförderung nicht mehr aktuell, ließ ihn kurzfristig die Fassung verlieren. Überflüssig wie ein Kropf seien Haider-Äußerungen in Vorarlberg, verlautete aus seiner Zentrale.

Herbert Sausgruber, der 1997 Martin Purtscher nachfolgte, hatte die letzten Wochen kaum Zeit zu regieren. "Sausi" tourte durchs Land und machte seinem Spitznamen alle Ehre. Kaum in Fontanella gesichtet, war er schon wieder beim Dornbirner Wochenmarkt. Sausgruber hier, Sausgruber da. Plaudernd, scherzend, diskutierend. Da sahen auch Ehefrau Ilga und die drei Kinder den erklärten Familienmenschen selten.

Die Omnipräsenz des Landeschefs machte sich für seine Partei bezahlt. Sausgruber eroberte die 1999 verlorene Absolute zurück. Der Rund-um-die-Uhr-Einsatz führte aber nicht dazu, dass der gestrenge Regierungschef die Zügel locker ließ. Ganz im Gegenteil. Herbert Sausgruber hatte seine Regierungsmannschaft fest im Griff. Keiner durfte ihm bei Wahlkampfauftritten die Show stehlen. Sausgruber hatte auch aus dem Wahldebakel von 1999 gelernt, als ihn der joviale Hubert Gorbach mit seiner FP die Absolute kostete.

Der VP-Chef verteidigte diesmal sein Revier vehement. Immer darauf aus, seinem Landesstatthalter und Koalitionspartner Dieter Egger (FP) nicht zu viel Bewegungsfreiheit zu lassen. Einen Wahlsieger wie Hubert Gorbach wollte Sausgruber nicht mehr neben sich heranwachsen lassen.

Verlässlichkeit ist die dominierende Charaktereigenschaft, die sich Sausgruber nur zu gerne von seinen Werbeberatern zuschreiben ließ. Gepaart mit der griffigen Formel. "Klarheit durch Mehrheit gibt Sicherheit" wurde der Slogan "Auf ihn ist Verlass" zur Machtformel. Sausgruber wurde nicht müde, dieses Mantra zu jedem Anlass herunterzubeten. Mit Erfolg, wie sich am Sonntag zeigte. (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe, 20.9.2004)

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    Die Omnipräsenz im Wahlkampf machte sich bezahlt: Herbert Sausgruber hat die absolute Mehrheit zurück erobert.

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