Blaue Schlappe - Schwarzer Erdrutschsieg

23. September 2004, 09:51
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Niedrige Beteiligung bringt Sausgrubers ÖVP die "Absolute" - Wahlbeteiligung bei 60 Prozent - VP 54,9 Prozent (+9,2), FP 12,9 (-14,5), SP 16,9 (+3,9), Grüne 10,2 (+4,1) - Mit Infografik

Die ÖVP hat bei der Landtagswahl in Vorarlberg einen Erdrutschsieg gefeiert und die absolute Mehrheit erreicht: Mit 54,9 Prozent steigerte sich die ÖVP um 9,1 Prozentpunkte und verwies die SPÖ, die 3,9 Prozentpunkte auf 16,9 Prozent zulegte, klar auf den zweiten Platz.

Die FPÖ erlitt ein Debakel und büßte fast zwei Drittel ihrer Wählerstimmen ein: Mit 12,9 Prozent (minus 14,5 Prozentpunkte) landeten die Freiheitlichen erstmals seit 1989 hinter der SPÖ und auf dem dritten Platz. Die Grünen legten um 4,1 Prozent zu und kommen nun auf 10,2 Prozent. Im neuen Landtag hat die ÖVP nun 21 Mandate (plus drei), die SPÖ sechs (plus eins), die FPÖ fünf (minus sechs) und die Grünen vier (plus zwei).

Schwarz, Rot und Grün in Festlaune

Mit minutenlangem Applaus wurde Landeshauptmann Herbert Sausgruber im Landhaus begrüßt. "So voll war das Landhaus noch nie", wunderten sich Wahlkibitze. Aus allen Landesrichtungen strömten die Sieger. Schwarze, Rote und Grüne waren gleichermaßen in Festlaune.

Sausgruber will nach seinem heutigen Wahltriumph mit allen Parteien Gespräche führen: "Das Ergebnis ist ein unerwartet klarer Auftrag, die Landespolitik auf diese Weise fortzusetzen." Über das Erreichen der absoluten Mehrheit zeigte er sich naturgemäß hoch erfreut, das Ergebnis liege weit über den Erwartungen. Einen speziellen Grund für den Sieg nannte Sausgruber nicht. Dass er die Bundespartei aus dem Wahlkampf quasi ausgeschlossen hat, kommentierte der Landeshauptmann entspannt: "Landtagswahl ist Landtagswahl, und Bundeswahl ist Bundeswahl."

Gratulation

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel gratulierte und bezeichnete den "großartigen Wahlerfolg" als persönlichen Verdienst Sausgrubers. Der Vorarlberger Landeshauptmann fahre "gemeinsam mit seinem Team einen erfolgreichen Kurs, der der Bundespolitik bereits vieles vorweggenommen habe, wie zum Beispiel ein ausgeglichenes Budget sowie eine moderne Landesverwaltung". SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer sprach von einem "großen Tag der Freude". Die SPÖ habe in Vorarlberg 25 Jahre lang verloren, nun habe die Partei den "turn around" geschafft. Besonders erfreulich sei das Erreichen des zweiten Platzes.

Als "absoluten Wahlsieger" sieht sich auch der grüne Spitzenkandidat der Grünen, Johannes Rauch. Keine Partei habe in der Relation mehr dazugewonnen, man sei zweistellig geworden und habe den Klubstatus wiedererlangt. Mit einem Kooperationsangebot der ÖVP rechnet der grüne Spitzenmann nicht.

Wahlbeteiligung signifikant abgesunken

Die Abschaffung der Wahlpflicht führte bei dieser Wahl zu einem signifikanten Absinken der Wahlbeteiligung: Nur noch 60,2 Prozent der wahlberechtigten Bürger gingen am Sonntag zu den Urnen. 1999 waren es noch 87,14 Prozent gewesen. Der Wählerrückgang betraf alle Gemeinden, fiel in den Städten jedoch deutlich höher aus als auf dem Land. In Bregenz etwa war das Interesse an der Wahl um mehr als ein Viertel schwächer als vor fünf Jahren. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.9.2004)

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    Schwere Zeiten für den Vorarlberger FP-Chef Dietmar Egger.

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