Neuer Tiefstand bei Frühpensionen

24. September 2004, 09:39
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Rekord bei Invaliditäts­pensionen - AK-Studie: Invaliditäts­pensionisten sterben um zehn Jahre früher als Alters­pensionisten - Mit Infografik

Wien - Ins Pensionssystem ist Bewegung gekommen. Eine Bewegung, die mit der jeweiligen politischen Debatte oder dem jeweiligen Stand der gerade aktuellen Pensionsreform eng zusammenhängt. Nur eine Zahl ist ein Selbstläufer, weil sie von der Demografie abhängt. Die Gesamtzahl der Pensionistinnen und Pensionisten steigt und steigt. Im August waren 2,029.294 Personen in Pension.

Der Weg, den die Menschen aus dem Arbeitsleben heraus und in das Rentenalter hinein wählen, ändert sich aber. Die jüngste Zahl betrifft die Frühpensionen. Diese haben im August mit 174.044 einen neuen Tiefstand erreicht. Im Vergleich zum Juli 2004 sind damit um über 3000 Arbeitnehmer weniger in Frühpension gegangen. Seit dem bisherigen Rekordwert vom Oktober 2000 mit 241.361 ist die Zahl der vorzeitigen Alterspensionen um 67.317 oder mehr als ein Viertel, konkret 27,9 Prozent, gesunken. Nach Angaben des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger handelt es sich außerdem um den niedrigsten Stand der Frühpensionen seit achteinhalb Jahren - im Februar 1996 waren es mit 171.853 etwas weniger gewesen.

Höhere Mortalität

Eine "Schallmauer" der anderen Art ist indes bei den Invaliditätspensionen durchstoßen worden. Noch nie zuvor wurden so viele Anträge für diese Pensionsform eingereicht wie im August 2004 (400.411), 55 Prozent aller Anträge auf Eigenpension lauteten auf Invalidität, 41 Prozent wurden bewilligt. Vor fünf Jahren machten die Invaliditätspensionsanträge noch 36 Prozent aller Anträge aus. Die häufigsten Gründe, die zu einer Invaliditätspension führen, sind Erkrankungen von Bewegungs- und Stützapparat, Herz- und Arterien sowie psychische Überbelastungen.

Einer Studie der Arbeiterkammer Wien zufolge spiegeln sich andauernd hohe Arbeitsbelastungen in hohen Invalidisierungsraten (insbesondere von Schwerarbeiterinnen und Schwerarbeitern) wider. Die Folge sei eine deutlich niedrigere Lebenserwartung. So lag das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt des Todes bei männlichen Invaliditätspensionisten um zehn Jahre unter jenem von "Alterspensionisten", die bis zum Regelpensionsalter arbeiten konnten. Frauen mit Invaliditätspension starben im Schnitt sieben Jahre früher.

Die Sterblichkeitsrate von männlichen Arbeitern, die wegen Invalidität in Pension gegangen sind, war im Jahr 2002 bei den 66- bis 70-Jährigen um 70 Prozent höher als bei Alterspensionisten. (nim/DER STANDARD, Printausgabe, 20.9.2004)

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