Tropensturm "Jeanne" verwüstet Haiti

21. September 2004, 18:27
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Über 600 Tote - Ganze Städte unter Wasser - Fast der gesamte Norden überschwemmt - Zweitgrößte Insel unauffindbar - Mit Infografik

Port-au-Prince - "Jeanne" tobte bereits über dem offenen Meer, da erst wurde in Haiti das Ausmaß des jüngsten Tropensturms deutlich: Fast der gesamte Norden des Karibikstaates ist überschwemmt, die viertgrößte Stadt Gonaives komplett unter Wasser, die zweitgrößte Insel, Ile de la Tortue, gar völlig unauffindbar.

Mindestens 600 Menschen nach der ersten provisorischen Zählung ums Leben. Und sollte sich bewahrheiten, dass die Ile de la Tortue überflutet wurde, ließe sich die Tragödie kaum noch beschreiben. 26.000 Menschen leben auf dem rund 180 Quadratkilometer großen Eiland; von ihnen fehlte bis späten Montag jedes Lebenszeichen.

Ministerpräsident erschüttert

Ministerpräsident Gerard Latortue ist sichtlich erschüttert. Am Sonntag hatte er die Überschwemmungebiete überflogen und dabei nur noch einen "riesigen See" gesehen. Am schlimmsten betroffen ist bisher Gonaives. Laut dem Regierungschef "gibt es kein Haus mehr, das nicht überflutet ist." Allein dort wurden im Krankenhaus 500 Leichen gezählt, 80 Prozent der 100.000 Menschen stehen ohne Nahrung da. Die Vereinten Nationen wollten eine Tonne Medikamente einfliegen, das UN-Welternährungsprogramm kündigte Konvois mit Lebensmitteln und Wasser an. Mindestens 56 weitere Menschen kamen in Port-de-Paix ums Leben, 18 in Chansolme, 14 in Gros-Morne, neun in Pilate und acht in Ennery. In den Überschwemmungsgebieten gilt der Notstand, für das gesamte Land eine dreitägige Staatstrauer.

Kein Kontakt

Noch beunruhigender aber sind die Nachrichten von der Ile de la Tortue, der zweitgrößten Insel Haitis mit ihren 26.000 Einwohnern. Als Mitarbeiter der UN-Stabilisierungsmission MINUSTAH am Sonntag über die Region flogen, konnten sie die ehemalige Pirateninsel nördlich von Port-de-Paix nicht finden. Bis Montag gab es keinen Kontakt, war völlig unklar, was aus den Bewohnern geworden ist. Ministerpräsident Latortue wollte gesondert über die Situation berichten - sobald er selbst genauere Informationen hat.

Tausende Kinder betroffen

Am schlimmsten sind jene von den Wirbelstürmen in der Karibik betroffen, die der Katastrophe kaum etwas entgegensetzen können: Kinder aus bitterarmen Familien. UNICEF will so schnell wie möglich Hilfsgüter zu den Betroffenen nach Haiti und in die Dominikanische Republik bringen, da Meteorologen weitere Unwetter für die Region vorhersagen.

In den vergangenen zehn Tagen suchten Wirbelstürme die Inseln Grenada, Jamaika, Haiti, die Dominikanische Republik, Panama, die Cayman Islands und die Bahamas heim. "Viele Menschen denken, die Karibik sei eine wohlhabende Region. Doch in Realität wird dieses Gebiet durch eine riesige Kluft zwischen Arm und Reich charakterisiert", so UNICEF-Sprecher Alfredo Missair.

Helfer bei Rettungsversuch selbst ertrunken

Auch CARE ist mit einem Team von 200 Leuten in Haiti im Einsatz - die Nothilfe läuft bereits an. Hurrikan "Jeanne" hat an diesem Wochenende auf Haiti gewütet. Ein Mitarbeiter des CARE-Teams ist beim Versuch, andere zu retten, selbst in den Fluten ertrunken.

"Die CARE Hilfsmaßnahmen werden in vollem Ausmaß anlaufen, sobald das Wasser zurückgegangen ist. Das Team in Haiti ist dabei, alles vorzubereiten", so Abby Maxman, Leiter CARE Haiti. Am dringendsten würden die Menschen derzeit Trinkwasser und Lebensmittel benötigen. (APA/AFP)

Video

BBC: "Eighty thousand are now without shelter, food and water"

Spendenkonten:

UNICEF: PSK 15 16 500, BLZ 60.000, Stichwort: "Sturmopfer Karibik",
UNICEF-Online Spenden

CARE Österreich Spendenkonto, PSK 1,236.000 - Bankleitzahl 60000, Kennwort: "Haiti"

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    Auf Haiti stehen ganze Städte beinahe völlig unter Wasser.

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    Manche Ortschaften waren nach "Jeannes" Sturmfluten überschwemmt.

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    Tropensturm verwüstete Haiti

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