"Super, noch eine Nationalität!"

21. März 2007, 16:50
6 Postings

Was man für die erfolgreiche Bewerbung an einer amerikanischen Business-School können - und vor allem sein - muss

Das MBA-Gate 2005 in Frankfurt am Main zeigte, was man für die erfolgreiche Bewerbung an einer amerikanischen Business-School können - und vor allem sein - muss


"Man kann aus einem MBA-Programm nicht rausfliegen - außer vielleicht, man klaut etwas", eröffnet Jörn Meissner seinen Exkurs zur MBA-Bewerbung. Umso schwerer, "überhaupt reinzukommen". Wobei der berüchtigte TOEFL-Test (siehe Info), den anglo- fone MBA-Anbieter meist voraussetzen, nur ein "sehr einfacher Englischtest" sei.

Monatelang angekündigt, findet das MBA-Gate 2005 an einem verregneten Samstagnachmittag Ende August statt. Geschätzte 150 Interessierte lasten den für etwa 200 Personen gerechneten Raum im "Saalbau Bornheim" ganz gut aus. Die Organisatoren - Vertreter vom Staufenbiel Institut, der FIBAA und Manhattan Review - besetzen einen Holztisch auf Publikumsebene.

Zusätzlich sind Marcel Lipljin, holländischer Absolvent eines MBA-Programms in den USA, und Sebastian Blum, Student der New Yorker Stern Business School, präsent.

Birgit Giesen, Geschäftsführerin des Staufenbiel Instituts, spricht über "Jobchancen und Recruiting". Die wichtigste Branche für MBA-Absolventen sei "weiterhin im Consulting", weil "Erlerntes da schnell umgesetzt werden kann". Unternehmerskepsis gebe es "gegenüber MBAs, die direkt an ein Studium anschließen." Heißt: Grundstudium verlangt erst mal Praxis.

Zu den weltweit 3000 MBA-Programmen komme wöchentlich ein Neues, so Giese, was Detlev Kran, Leiter der Foundation for International Business Administration Accreditation (FIBAA), zwischenrufend bestätigt: "Das ist nicht übertrieben."

Vielseitiges Angebot

Überhaupt gebe es nicht "den" MBA: "Jede Nachfrage hat ihr spezielles Angebot." So gibt es laut Kran auch MBAs in Church-Management und Football-Management.

Empfehlungsschreiben, so Meissner, benötige man für viele MBA-Programme. Gefragt seien Meinungen von Chefs und Uni-Professoren, wobei der Schreibende "einen schon sehr gut kennen sollte".

Viele gut gemeinte Ratschläge später fragt man sich, ob man das Gehörte nicht auch schneller und - auch ohne zweistündigen Flug - bequemer, etwa auf diversen Websites, erhalten hätte. So erwartet man sich umso mehr von den abschließenden Fragen aus dem Publikum.

Ob Kran, der nur ausländische MBAs empfahl, von den Deutschen nicht überzeugt sei? - "Den Eindruck wollen wir nicht vermitteln."

Ob es, so wie bei den amerikanischen Business-Schools, in Europa keine Netzwerke gebe? - Das sei eben eher "der amerikanische Stil", hilft Marcel Lipljin flink aus.

Und: Ob es viele Frauen in den MBA-Programmen gebe, fragt eine weibliche Zuhörerin. "Zu wenige", grinst Lipljin, und Meissner nennt die Columbia University als Anbieter mit der höchsten Frauenquote ("40 Prozent").

Bonus der wenigen

Frauen, ergänzt Blum, genössen bei der Aufnahme sicherlich einen gewissen Minderheitenbonus - der im Übrigen auch ihm als ehemaligem Modefotografen und damit eher untypischem MBA-Studenten zugute gekommen sei. Und, so Marcel: "Bei mir als Holländer hieß es - "super, noch eine Nationalität."

Somit werden die ausschlaggebenden Kriterien für eine MBA-Zulassung schlussendlich ersichtlich, und man hat als Besucher des MBA-Gate 2005 etwas wirklich Neues mit nach Hause zu bringen. (Der Standard, Printausgabe 18./19.9.2004)

Von Bernhard Madlener
Share if you care.