Heuschnupfen-Impfung ohne Spritze immer populärer

19. September 2004, 12:00
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Bei der sublingualen Immuntherapie träufelt der Patient mehrmals pro Woche einige Tropfen einer Allergenlösung unter die Zunge

Bonn - Eine neue Behandlungsform von Allergien wird seit kurzem immer populärer, die im Gegensatz zur bisher verbreiteten Hyposensibilisierung ohne Spritzen auskommt. Bei der sublingualen Immuntherapie (SLIT) träufelt der Patient mehrmals pro Woche einige Tropfen einer Allergenlösung unter die Zunge. Die neue Methode erziele unglaubliche Erfolge, obwohl ihre Wirkungsweise noch kaum erforscht sei, so Natalija Novak, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie an der Universität Bonn.

Zunächst befindet sich der Patient in einer zwei- bis vierwöchigen "Induktionsphase", wo er das Allergen in aufsteigender Dosierung einnimmt, bei Mehrfachallergikern erfolgt gegebenenfalls eine Mischung aus zwei oder drei verschiedenen Substanzen. In der anschließenden "Erhaltungsphase" muss die Therapie dann möglichst kontinuierlich fortgesetzt werden. "In der Allergen-Saison reduzieren wir allerdings die Tropfenzahl, damit die Gesamtbelastung für die Immunabwehr nicht zu hoch wird", erklärt Novak. Nach etwa drei Jahren sollte sich das Immunsystem dann an das Allergen gewöhnt haben.

Es muss nicht geschluckt werden

Allergien treten an der Mundschleimhaut extrem selten auf, weshalb sie von der Forschern der Universitätsklinik Bonn als Forschungsschwerpunkt herangezogen wird. "Dabei kommt der Mund mit extrem vielen Allergie-Auslösern in engen Kontakt", so Novak, "wahrscheinlich sogar mehr als die Nase." Während diese bei einer Pollenattacke zuschwillt oder mit unangenehmen Niesorgien reagiert, scheint irgendein Mechanismus in der Mundschleimhaut derart heftigen Immunreaktionen vorzubeugen, was für die Allergologen interessant ist. Manche Mundschleimhautzellen sondern nach Allergenkontakt bestimmte Botenstoffe ab, die scheinbar allergische Entzündungsreaktionen blockieren können. Die SLIT ist also keine "Schluckimpfung", sondern funktioniert auch, wenn kein Tropfen der Allergenlösung in den Verdauungstrakt gelangt.

Experten empfehlen einen frühen Behandlungsbeginn, am besten schon im Kindesalter. Ohne Hyposensibilisierung treten gerade bei jungen Patienten mit der Zeit häufig weitere Allergien oder sogar ein allergisches Asthma auf. Die Sprühimpfung ist neuesten Untersuchung zufolge ebenso erfolgreich wie die bis dato angewandte Hyposensibilisierung, bei der sich die Patienten einer dreijährigen Injektionsserie unterziehen. Viele Patienten scheuen diese Behandlungsform aber wegen ihrer Angst vor Spritzen. (pte)

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