Ecstasy in Graz: Sieben-Millionen- Deal vereitelt

21. September 2004, 17:39
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Verdeckte Ermittler aus Tschechien, den USA und Österreich lagen gemeinsam auf der Lauer

Bevor sie sieben Millionen Euro für einen Megadeal mit Ecstasy kassieren konnten, wurden bei Graz zwei mutmaßliche Drogenbosse verhaftet.

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Graz/Los Angeles - Der steirischen Kriminalabteilung dürften zwei große Fische aus dem internationalen Drogenhandel ins Netz gegangen sein. In Unterpremstätten bei Graz wurden zwei tschechische Staatsbürger festgenommen, die für den Schmuggel von Ecstasy im Wert von mindestens sieben Millionen Euro verantwortlich sein sollen.

Bei der transatlantisch konzertierten Polizeiaktion wurden in Los Angeles zwei Drogenkuriere mit insgesamt 555.000 Ecstasytabletten verhaftet. Zum Vergleich: In Österreich wurden im gesamten Vorjahr 422.103 Stück "Ex" sichergestellt. Angelpunkt der erfolgreichen Amtshandlung ist die Tschechische Republik, wo ein weiterer mutmaßliches Mitglied des Drogenringes geschnappt wurde.

Verdeckte Ermittlung

Den Verhaftungen, die bereits am Montag erfolgt waren aber erst am Freitag publik gemacht wurden, waren monatelange Ermittlungen vorausgegangen, in deren Zug die Tschechen an verdeckte Ermittler aus Österreich und den USA geraten waren. Die Übergabe einer ersten Tranche von 450.000 Ecstasy-Tabletten in den USA wurde noch observiert, kurz nach der Übergabe der zweiten Lieferung von 105.000 Tabletten schlugen dann die Behörden in der Tschechischen Republik, in den USA und in Österreich zu.

Beamte auf der Lauer

In Unterpremstätten bei Graz lagen Beamte der Kriminalabteilung des Landesgendarmeriekommandos und des Bundeskriminalamtes (BKA) auf der Lauer: Bei der Übergabe des Geldes für die in den USA übergebenen Tabletten wurden ein 50 Jahre alter Prager Unternehmer aus der Computerbranche sowie ein 44 Jahre alter Tscheche aus der Werbebranche, der sich auch schon als Rennfahrer betätigt hat, festgenommen. Ein weitere Tscheche, der in Unterpremstätten als Aufpasser fungierte, wurde wieder freigelassen, da er laut Exekutive von der Art der Geschäfte keine Ahnung hatte.

Gegen die beiden bei Graz festgenommenen Tschechen liegt bereits ein Haftbefehl beim Straflandesgericht Wien vor, der auf einem Auslieferungsersuchen der US-Behörden beruht. Das Duo, das in der Justizanstalt Jakomini in U-Haft sitzt, bestreitet alle Vorwürfe. (APA, simo, DER STANDARD Printausgabe 18.9.2004)

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    Appetithemmer mit Nebenwirkung

    Unter dem Namen Ecstasy werden verschiedene Amphetamin-Derivate zusammengefasst. Eine der Abarten, MDMA, wurde schon 1914 als Appetithemmer entwickelt, kam aber nie auf den Markt. Der Herstellungspreis der Pillen liegt bei wenigen Cent. Im Vorjahr wurden in Österreich knapp 2500 Anzeigen wegen Besitzes oder Verkauf von Ecstasy erstattet. (moe, DER STANDARD Printausgabe 18.9.2004))

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