Constantia-Iso-Vorstand auf Konfrontationskurs

30. September 2004, 13:33
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Finanzvorstand Maier rechnet im Delisting-Streit mit "jahrelangen" Verfahren. Einen Vergleich schließt er aus

Wien - Der Finanzvorstand der Constantia-Iso AG, Christian Maier, denkt gar nicht daran, in den Auseinandersetzungen rund um das Delisting der Iso AG von der Wiener Börse einzulenken. Wie berichtet, wurde die Gesellschaft am 29. Juli von der Wiener Börse genommen; den - zustimmenden - Aktionären wurde ein Abfindungspreis von 8,42 Euro gezahlt. Jetzt steht das Unternehmen zur Gänze im Eigentum von Stiftungen der Industriellenfamilie Turnauer.

Widerspruch

Im Rahmen des Squeeze-out hatten aber etliche Kleinaktionäre (3,8 Prozent des Kapitals) Widerspruch eingelegt, sie wollen mehr Geld. Wie in der gestrigen Ausgabe des STANDARD berichtet, zweifeln sie jenes Gutachten von Anton Egger an, das den Unternehmenswert der Gesellschaft errechnet hat. Sie gehen derzeit davon aus, dass sie mit mindestens 16,50 Euro je Aktie abgefunden werden müssen. Dementsprechend wurden fünf Überprüfungsanträge eingebracht; das zuständige Gremium konstituiert sich gerade.

Der Rechtsstreit rund um die Iso AG, in der man nach dem Rückzug von der Börse wieder äußersten Wert auf Diskretion legt und dementsprechend mit aktuellen Geschäftszahlen geizt, könne "viele Jahre dauern", so sein Finanzchef. Ein Kompromiss ist nicht drin. Maier: "Es wird keine einvernehmliche Lösung geben." Die 8,42 Euro entsprächen dem historischen Höchstkurs des Papiers, waren "ein klares Signal an die Aktionäre. Wir hätten laut Gutachten auch nur 7,63 Euro nehmen können." Und, so der Ex-UIAG-Manager: "Es wäre unfair und völlig falsch, wenn wir eine Aktionärsgruppe bevorzugt behandelten. Unser Preis war fair, auch rückblickend gesehen. Wir hatten immer hohe Dividendenausschüttungen, auch wenn das Geschäft nicht so optimal gelaufen ist. Unsere Kleinaktionäre haben immer sehr profitiert."

"Geldbörse füllen"

Für die Betrachtungsweise der Squeeze-out-Rebellen hat der Iso-Manager absolut kein Verständnis: "Sie lesen Bilanzen anders als wir. Diese Herrschaften haben keine Ahnung, in welchem wirtschaftlichen Umfeld wir uns bewegen." Für die von Gründerenkel Stanislaus Turnauer geführte Iso AG, die in den vergangenen Jahren starke Ergebniseinbrüche verbuchte und völlig neu strukturiert werden musste, sei laut Maier "nicht nur das Jahr 2003 außergewöhnlich schwierig gewesen, sondern auch die Jahre davor. Unser Gutachten analysiert eben auch die Vergangenheit, und ein großer Teil ist zukunftsbezogen." Ob er glaubt, dass da ein paar Kleinaktionäre Cash machen wollen? Maier: "Sie versuchen, eine Sondersituation auszunützen, das ist völlig legitim. Sie schauen eben, dass die eigene Geldbörse randvoll wird."

Vorschriften "unzeitgemäß"

Die "unzeitgemäßen" Vorschriften für Delistings, so Maier generell, sollten völlig geändert werden. Er möchte am liebsten, dass "die Übernahmekommission sich darum kümmert; die ist sehr sehr gefordert, neue Wege zu finden." Denn: "Die Rahmenbedingungen für einen Börsenrückzug sind in Österreich suboptimal." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.9.2004)

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