"Elite-Geschwafel"

26. September 2004, 18:26
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Andrea Brunner (VsSTÖ) empfiehlt Gusenbauer im Kommentar der anderen die Entwicklung ordentlicher Bildungskonzepte

Alfred Gusenbauer hat die Argumente des VSStÖ gegen Eliteuniversitäten in den ORF-"Sommergesprächen" als "Missverständnis" abgetan. Am Begriff der Eliteunis gibt es jedoch nichts falsch zu verstehen. Gusenbauer will zwölf bis 15 Eliteuniversitäten, von denen eine in Österreich stehen soll. Ob diese jetzt von Österreich oder von der EU forciert werden sollen - es geht nicht darum, wo Eliteunis stehen, es geht darum, wer diese Elite ist. Tatsache ist, dass elitäre Universitäten eine weitere Hürde in der akademischen Laufbahn darstellen - insbesondere für Frauen.

Frauen in der Elite?

Die Zahlen zeigen es deutlich: Über 50 Prozent der Studienanfänger/innen, nur mehr 35 Prozent der Doktoratsstudierenden und nur 4 Prozent der Professoren sind Frauen. Man kann sich also ausrechnen, wie viele Frauen zu dieser - von wem auch immer definierten - Elite gehören würden. Ein ähnliches Zahlenspiel kann man auch mit Menschen aus bildungsfernen Schichten spielen. Da es bis jetzt noch kein gerechtes Beurteilungssystem gibt, braucht es andere Faktoren. Die Gefahr ist groß, dass diese Faktoren dann das Geldbörsl der Eltern sind. Das hat sich schon bis jetzt als Selektionsmechanismus "bewährt". Das sind nur zwei Beispiele für Gruppen, die Eliteunis per se ausschließen.

Widersinnige Forderung

Vor allem aus lernpsychologischer Sicht ist und bleibt die Forderung nach Eliteuniversitäten widersinnig: Studien zum Thema innere und äußere Differenzierung zeigen, dass "Bessere" in homogenen Gruppen nicht besser werden, "Schlechtere" in heterogenen Gruppen allerdings besser. Das Aussieben von Besten ist also schlichtweg idealistisches Geschwafel, das historisch schon öfter vorgekommen ist und sich heute im neoliberalen Leistungselitenfetisch widerspiegelt.

Unreflektiert

Bevor Gusenbauer also unreflektiert Mainstream-Prestigeprojekte plant und über den großen Teich schielt, sollten im neuen Bildungsprogramm der SPÖ ordentliche Konzepte zur Sanierung des von Schwarz-Blau heruntergewirtschafteten Hochschulwesens stehen. Elitäre Unis sind weder sozial, noch demokratisch und schon gar nicht weltoffen. Elite heißt immer einige wenige. Das sind für eine Partei, die sich als Partei der gesellschaftlichen Vielfalt versteht, zu wenige. (DER STANDARD, Printausgabe 18./19.9.2004)

Zur Person

Andrea Brunner ist Bundesvorsitzende des VsSTÖ.

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