Joachim Fest

17. September 2004, 19:12
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Vor zwei Jahren brachte Joachim Fest im Verlag seines Sohnes Alexander einen kleinen Band über das Ende des Dritten Reichs heraus: Der Untergang ist ein historisches Sachbuch, anschaulich erzählt, ohne großen interpretierenden Anspruch.

Für Bernd Eichinger war die Lektüre der auslösende Moment für sein Filmprojekt. Für Joachim Fest aber wurde aus einem eher nebenher geschriebenen Werk ein Eckstein seiner geschichtspublizistischen Arbeit, die zwei Leitmotive hat: Die Person Hitler ist für den 1926 geborenen Fest ein starkes, geschichtsmächtiges Subjekt, das er in seiner 1973 erschienenen Bestsellerbiografie aus dem Methodenstreit der Wissenschafter herausgehoben und "erzählbar" gemacht hat.

1977 ließ er diesem Buch den Film Hitler - Eine Karriere folgen, der mit Archivaufnahmen die spätere Konjunktur von Originalaufnahmen aus der NS-Zeit im Fernsehen vorwegnahm. In den "Historikerstreit" der 80er-Jahre griff Fest, damals einer der Herausgeber der FAZ, mit einem Beitrag ein, in dem er sich dagegen aussprach, den Verbrechen des Nationalsozialismus eine spezifische "Singularität" zuzuschreiben. 1999 erschien Fests Biografie von Albert Speer, die sich stark der persönlichen Bekanntschaft mit Hitlers Architekten verdankt, den er bei der Erstellung der Spandauer Tagebücher beraten hatte. (DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.9.2004)

  • Sachbuchautor Joachim Fest
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    Sachbuchautor Joachim Fest

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