Für Sterngucker: Die "Lange Nacht der Sterne"

19. September 2004, 18:13
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Neue Erkenntnisse über unser Sonnensystem und weitere Faszinosa des Universums werden in zahlreichen Veranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht

Wien - Es tut sich gewaltig was da oben, seit die Sonne vermutlich durch die Druckwelle einer Supernova, die auf eine Wolke aus Wasserstoff traf, vor rund 4,5 Milliarden Jahren entstanden ist: Die Wolke ist kollabiert, es bildeten sich Ringe aus Gas und Staub - Vorläufer unseres Sonnensystems. In der Mitte dieser Ringe entzündete sich durch Kontraktion des Wasserstoffs ein neuer Stern, die Sonne.

Bei einer Kerntemperatur von 15 Millionen Grad Celsius fusionieren dort jede Sekunde 650 Millionen Tonnen Wasserstoff zu Helium. Dadurch verliert die Sonne in jeder Sekunde vier Millionen Tonnen an Masse - abgegeben als Strahlung. Laut Hochrechnungen geht der Sonne daher in etwa fünf Milliarden Jahren das Licht aus. Was passiert dann mit dem sterbenden Stern? Roter Riese, weißer Zwerg, Totalverdichtung der Materie zu einem Schwarzen Loch, Auskristallisation zu einem gigantischen Diamanten, wieder eine Supernova?

Erst vor drei Tagen berichteten Astrophysiker von neu entdeckten Wolkengebilden in konzentrischen Kreisen um einen sterbenden Stern: Vermutlich schleudern Sterne am Ende ihre äußeren Schichten wie Zwiebelschalen ins All. Aber nicht kontinuierlich, sondern in Intervallen von mehreren Tausend Jahren. Warum, ist völlig unklar.

Erklärungen dafür reichen von zyklischer magnetischer Aktivität über den Einfluss begleitender Sonnen bis hin zu einem Pulsieren des sterbenden Sterns. Vielleicht wird die Materie aber auch kontinuierlich ausgestoßen und erhält erst danach durch äußere kosmische Einflüsse eine solche Struktur. Ereilt dieses Schicksal auch unserer Sonne?

Diese und andere Fragen über Geburt, Entwicklung und Ende unseres Sonnensystems und weitere Geheimnisse des Universums werden anhand jüngster Forschungen, astronomischer Shows und ausgerichteter Teleskope in der "Langen Nacht der Sterne" heute, Samstag, in Österreich, Deutschland und der Schweiz diskutiert, gezeigt und beobachtet. Erstmals haben sich 170 astronomische Einrichtungen und Institute dieser Länder (zwölf davon in Österreich) zusammengetan, um der Öffentlichkeit ein umfassendes Programm (auch spezielle Kinderveranstaltungen) zum Kosmos anzubieten.

Am Freitag, berichteten Forscher, im Herzen der Milchstraße eine neue Quelle höchstenergetischer Gammastrahlung entdeckt zu haben - wahrscheinlich ein Überrest einer vor 10.000 Jahren erfolgten Supernova. Im Zentrum unserer Galaxie vermuten Wissenschafter nicht nur ein massives Schwarzes Loch, sondern auch etliche Supernova-Explosionswolken und viel Dunkle Materie - alle sind Gammastrahler. (fei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19. 9. 2004)

Infos über die Einzelveranstaltungen
"Lange Nacht der Sterne"

Die Liste der Veranstaltungen am 18. September auf der Seite für Österreich ist unvollständig. An der Aktion beteiligen sich auch die Kuffner- und die Urania-Sternwarte.

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