Stromstoß für die Stromlösung

30. September 2004, 14:52
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Der für ersten Oktober geplante Vollzug der Austro-Stromehe ist vom Tisch. Der Verbund hat die Verhandlungen bis Vorliegen der Wettbewerbsprüfung ausgesetzt

Wien - Aus dem für ersten Oktober geplanten Start der österreichischen Stromlösung, dem Zusammengehen von Verbund mit der Energie Allianz um EVN und Wien Energie, wird nichts. Der Verbundkonzern hat Verhandlungen über letzte Details für den Vollzug der Austro-Stromehe am Freitag wegen angekündigter Untersuchungen der Branche durch die Kartell- und Wettbewerbshüter sistiert.

"Die Anwürfe bezüglich kartellrechtlicher Verfehlungen sind so massiv, dass wir durch einen Abschluss der Verhandlungen mit der Energie Allianz jetzt keine Fakten setzen wollten", begründete ein Verbund-Sprecher gegenüber dem STANDARD die Aussetzung der Gespräche.

In der Energie Allianz nimmt man die Entscheidung zur Kenntnis. Man sei aber zuversichtlich, dass bei den Untersuchungen der Wettbewerbsbehörde "nichts heraus kommt" und die Stromlösung in Kraft treten kann - wenn auch mit Verspätung, hieß es.

Zu wenig Wettbewerb

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (VP) hat nach heftiger Kritik aus der Industrie an den hohen Strompreisen die Bundeswettbewerbsbehörde mit einer Branchenuntersuchung beauftragt. Der Vorwurf: zu wenig Wettbewerb, willkürliche Preissteigerungen.

"In zwei Wochen werden wir ein klareres Bild haben, um was es geht", sagte der Chef der Bundeswettbewerbsbehörde, Walter Barfuß. Parallel dazu wird auch zwei Beschwerden nachgegangen, die den Partnern in der Stromlösung kartellähnliches Verhalten vorwerfen. In die Untersuchungen eingebunden sind auch das Bundeskartellamt und die E-Control.

Gespräch mit Verbundspitze

Bartenstein hat die Verbundspitze für kommende Woche zu einem Gespräch gebeten. Die Republik Österreich ist mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafter des Verbundkonzerns.

Rudolf Gruber, Chef der EVN und einer der Hauptbefürworter der österreichischen Stromlösung, hat vor Bekanntwerden des Verbund-Rückzugs die Stromlösung als für Österreich vernünftig verteidigt. In Österreich sei man zwar ein großer Player, im europäischen Vergleich aber ein Zwerg.

Weiterer Anstieg erwartet

Die Preiserhöhungen bei Strom hängen laut Gruber mit den gestiegenen Kosten für Öl, Gas und Kohle zusammen, mit denen Kraftwerke befeuert werden. Der Preis für Kohle etwa habe sich seit Jahresbeginn um 30 bis 40 Prozent erhöht und das schlage sich natürlich auch auf den Strompreis nieder. Gruber rechnet damit, dass die Strompreise für die Haushaltskunden nach der für Oktober angekündigten Erhöhung kommendes Jahr weiter steigen. "Europaweit zeigt die Kurve nach oben", sagte der EVN-Chef am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Von der Austro-Stromehe verspricht sich Gruber auf mittlere Sicht Einsparungen allein für die EVN von zwölf Mio. Euro pro Jahr. Insgesamt wird das Synergiepotenzial auf 80 Mio. Euro geschätzt. Wie berichtet, soll unter Führung des Verbundkonzerns der Bereich Stromhandel zusammengeschlossen werden, unter Führung der Energie Allianz der Großkundenvertrieb. Zu diesem Zweck soll sich die Energie Allianz zu einem Drittel an der Verbund-Stromhandelstochter Austrian Power Trading (APT) beteiligen und umgekehrt der Verbund mit 33 Prozent bei der Energie-Allianz-Vertriebstochter "e & s" neu einsteigen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.9.2004)

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    foto: epa
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