Russische Abgeordnete wollen TV-Berichte über Geiselnahmen verbieten

19. September 2004, 09:51
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Um "Angst in der Bevölkerung" zu verhindern

Moskau - Nach dem Blutbad von Beslan mit mehr als 330 Todesopfern fordern Abgeordnete der russischen Staatsduma ein Verbot von Fernsehberichten über Geiselnahmen mit terroristischem Hintergrund. Wenn das Fernsehen nicht über eine Geiselnahme berichte, werde das Hauptziel der Terroristen verhindert, Angst in der Bevölkerung zu schüren, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Informationspolitik, Alexander Krutow, am Freitag zur Begründung für einen entsprechenden Gesetzentwurf.

Gefährdung

Bei Geiseldramen über einen längeren Zeitraum gefährde das Fernsehen durch seine Live-Berichte die Arbeit der Einsatzstäbe. Helfer der Terroristen könnten aus dem Fernsehen Hinweise auf das Vorgehen der Spezialkräfte erhalten, sagte Krutow. Zudem hätten Fernsehberichte über Gewaltexzesse wie in Beslan schädliche Wirkungen auf Kinder. Nach der Geiselnahme in einem Moskauer Musicaltheater im Jahr 2002 hatte Präsident Wladimir Putin ähnlichen Gesetzesvorstößen des Parlamentes die Zustimmung verweigert.

Aus Reihen der Abgeordneten wurde in diesen Tagen auch die Forderung laut, das Moratorium für die Vollstreckung der Todesstrafe in Einzelfällen aufzuheben und verurteilte Terroristen hinzurichten. Mit dem Beitritt zum Europarat 1996 hatte sich Russland verpflichtet, die Todesstrafe abzuschaffen. Putin sprach sich in der Vergangenheit mehrfach dafür aus, das Moratorium aufrechtzuerhalten. (APA/dpa)

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