Klien: "Situation nicht leichter geworden"

23. September 2004, 14:00
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Formel-1-Boss Ecclestone von Jaguar-Ausstieg nicht geschockt - Auch Jordan denkt an Ausstieg - Drei Autos pro Team im Jahr 2005?

London - Für Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone kommt der Rückzug des Jaguar-Teams alles andere denn überraschend. "Das war unabwendbar und hat mich deshalb nicht wirklich schockiert", meinte der kleine Brite, der eigentlich schon im Vorjahr mit dem Ausstieg des Rennstalls des Ford-Konzerns gerechnet hat. "Denn sie konnten es sich einfach nicht leisten, gemeinsam mit Teams wie Jordan ständig hinterherzufahren. Sie hatten einfach nicht das Geld, um wirklich erfolgreich zu sein, und hätten deshalb heuer gar nicht mehr antreten sollen."

Erstaunlich an der jüngsten Entwicklung ist auch, dass das Salzburger Unternehmen Red Bull lange Zeit Kaufinteressen gegenüber Jaguar gehegt und sich vor erst einem Monat zurückgezogen hatte, nachdem man bei Ford angeblich entschieden hatte, künftig unter dem Namen des Mutterkonzerns in der Formel 1 anzutreten.

Klien hätte gute Chancen gesehen

Jetzt ist vor allem für Christian Klien die Situation prekär. "Es ist sicher nicht leichter geworden. Schade, denn nach den jüngsten Leistungen und Gesprächen hätte ich durchaus gute Chancen gesehen, denn vom Team gab es volle Unterstützung ", sagte Klien zur Entwicklung. Er könne jetzt lediglich in den verbleibenden drei Rennen einen professionellen Job tun und unterstreichen, dass er in die Formel 1 gehöre, so der Vorarlberger. "Alles andere kann ich nicht beeinflussen."

Auch Jordan weg?

Auch Eddie Jordan denkt bekanntlich über einen Rückzug aus der Formel 1 nach. "Es hat keinen Sinn mehr weiterzumachen, Ich habe kein Budget für nächstes Jahr, ich habe keinen Motor. Um einen Bankrott zu vermeiden, muss ich diesen Schritt vollziehen", zitierte die Münchner "Abendzeitung" (Freitag-Ausgabe) den Iren. Dem Jordan-Team fehlt ein großer Investor für die kommende Saison. Neben Scheichs aus Dubai war zuletzt aber auch Arden-Teambesitzer Christian Horner als Käufer des Teams ins Spiel gebracht worden.

Sollten im kommenden Jahr weniger als zehn Teams in die neue Saison starten, hätte dies weit reichende Folgen. Laut dem so genannten "Concorde Agreement", dem Grundgesetz der Formel 1, müssen mindestens 20 Autos bei den Rennen am Start sein. Somit könnte der Wegfall eines oder mehrerer Rennställe dazu führen, dass einige Teams ein drittes Auto einsetzen müssten, um bestehende Verträge zu erfüllen. Dies würde aber wieder erhebliche Kosten für die betreffenden Rennställe verursachen.

"Die Formel 1 ist einfach ein extrem teures Geschäft. Wir müssen einfach alles unternehmen, damit es künftig nicht mehr so kostspielig ist, um erfolgreich zu sein", erklärte Ecclestone wieder einmal zur aktuellen Krise der Formel 1, schwächte diese Aussage aber sofort wieder ab. "Teams sollen weiterhin ausgeben können, was sie wollen, aber die Kosten für den Einstieg in die Formel 1 sollten geringer sein."

Große Sorgen bereitet dem mächtigsten Mann des Motorsports der Verkauf der Ford-Motorenschmiede Cosworth, die heuer neben Jaguar auch Minardi und Jordan mit Aggregaten beliefert. "Hoffentlich findet sich ein Käufer", sagte Ecclestone. "Denn wenn niemand Cosworth kauft, dann haben Jordan und Minardi ein ernsthaftes Problem." Falls wirklich lediglich acht oder gar nur sieben Teams im kommenden Jahr die WM bestreiten können, dann müssten die verbleibenden Rennställe laut Ecclestone eben drei Autos einsetzen, damit das Feld von mindestens 20 Teilnehmern wieder erreicht wird.(APA/Reuters)

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