Anerkennung wichtiger als "Halbe-Halbe"

18. September 2004, 18:00
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EU-Studie untersuchte die Aufteilung von Familienarbeit bei 200 steirischen Familien

Graz - Frauen wenden mehr Zeit für die Hausarbeit und Kinderbetreuung aus als ihre Partner, fühlen sich dadurch stärker belastet und haben größere Schwierigkeiten, ihre beruflichen Verpflichtungen zu erfüllen - aber sie beurteilen die Aufteilung der Familienarbeit nicht in jedem Fall als ungerecht. Das ergab eine psychologische Studie der Uni Graz, die sich auch mit weiblichen Strategien beschäftigt, wie die Ungleichverteilung psychisch bewältigt wird. Anerkennung der Arbeit durch den Partner spiele dabei eine wichtige Rolle.

Erleben der Situation

"Uns interessiert nicht, was Männer und Frauen de facto zur Hausarbeit und Kinderbetreuung beitragen, sondern die psychologischen Variablen, die dazu beitragen, wie die Situation in der Partnerschaft letztlich erlebt wird", so Gerold Mikula im APA-Gespräch. Er leitet den Grazer Teil der in sieben EU-Ländern gemachten Studie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf - "FamWork - Family Life and Professional Work".

Unterschiedliches Gerechtigkeitsempfinden

Die Befragung von 213 steirischen berufstätigen Elternpaaren habe gezeigt, dass der Arbeitsaufwand von den Frauen unterschiedlich gerecht bzw. ungerecht empfunden wurde. "Interessant war es zu sehen, dass Frauen die Hausarbeit grundsätzlich als belastender empfinden als die Kinderbetreuung", so Mikula. Und das, obwohl die durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche für den Haushalt mit "nur" 22 Stunden im Vergleich zu knapp 35 Stunden für die Kinderbetreuung angegeben wurde. "Das mag mit dem Maß der durch diese Arbeiten empfundenen Erfüllung zusammenhängen", sagte Mikula. Auf einer Skala mit sechs Punkten für die "höchste Erfüllung" wurde Hausarbeit mit 2,3, die Kinderbetreuung jedoch mit 5,1 beurteilt. "Je belastender die Hausarbeit, umso ungerechter wird auch die Situation empfunden".

Bei der seelischen Bewältigung der ungleichen Arbeitsaufteilung scheint es auch eine Rolle zu spielen, inwieweit es Frauen als gerechtfertigt erachten, dass ihre Partner nicht mehr beitragen: Je mehr Verantwortung sich die Frauen selbst für die gegebene Aufteilung zuschreiben und sich für das Zustandekommen dieser Aufteilung verantwortlich fühlen, umso gerechter beurteilen sie die Aufteilung selbst", schilderte Mikula.

Wertschätzung vom Partner

Der Großteil der Frauen würde grundsätzlich versuchen, das Beste aus der Situation zu machen: Insbesondere der Vergleich mit Geschlechtsgenossinnen mache sie sicher: "Je mehr Familienarbeit der Mann im Vergleich zu anderen erledigt, desto weniger ungerecht wird die eigene Situation gesehen. Ein weiterer wichtiger Punkt sei auch die entsprechende Wertschätzung der Arbeit vom Partner.

Am EU-Projekt nehmen Forschungsteams aus Deutschland (München), Schweiz (Fribourg), Österreich (Graz), Holland (Nijmwegen), Portugal (Porto), Belgien (Mons) und Italien (Palermo) teil. Letztlich sollen die Ergebnisse von 1.400 Paarbefragungen verglichen werden. Geleitet wird die Studie vom Münchner Psychologen Klaus A. Schneewind. (APA)

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    Männer, die im Haushalt Hand anlegen, sind immer noch selten. Mit "Anerkennung" können sie ihre Partnerinnen milder stimmen.
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