Iran erwägt vorläufigen Verzicht auf Uran-Anreicherung

17. September 2004, 20:02
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Programm könnte für einige Monate ausgesetzt werden - USA glauben an einen Trick

Wien - Im Streit um sein Atomprogramm erwägt der Iran offenbar wegen des wachsenden internationalen Drucks, vorerst auf die Wiederaufnahme seines umstrittenen Uran-Anreicherungsprogramms zu verzichten. Der iranische Vertreter bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Hossein Musawian, sagte am Freitag in Wien, er schließe die Erwägung nicht aus, das Programm für einen oder zwei Monate länger auszusetzen. Doch die Entscheidung darüber werde an den politischen Schaltstellen getroffen.

Jüngst hatte er angekündigt, der Iran werde die Uran-Anreicherung recht bald wieder aufnehmen. Die UN-Behörde IAEO berät derzeit in Wien über das Vorgehen im Atomstreit mit dem Iran. Die USA haben sich Diplomaten zufolge nunmehr mit Frankreich, Großbritannien und Deutschland auf einen UN-Resolutionsentwurf geeinigt, in dem vom Iran der sofortige Stopp seiner Uran-Anreicherung gefordert wird. Die USA werfen dem Iran vor, nach Atomaffen zu streben.

Energiegewinnung

Die Regierung in Teheran hat diese Vorwürfe stets zurückgewiesen. Das Atomprogramm dient demnach ausschließlich friedlichen Zwecken wie der Energiegewinnung. Die Anreicherung von Uran ist einer der heikelsten Streitpunkte bei der Konferenz in Wien, da angereichertes Uran sowohl als Brennstoff für Atomkraftwerke als auch für Atomwaffen verwendet werden kann.

Der Iran hatte sein Uran-Anreicherungsprogramm im vergangenen Jahr gestoppt, nachdem Großbritannien, Deutschland und Frankreich im Atomstreit mit der Islamischen Republik eine entsprechende Vereinbarung ausgehandelt hatten.

Wie Diplomaten weiter berichteten, soll dem Iran dem Resolutionsentwurf zufolge bis November Zeit gegeben werden, alle Zweifel über sein Programm auszuräumen. Bis dann müsse die IAEO eine Entscheidung treffen, "ob angemessene Schritte ergriffen werden oder nicht", was die Verpflichtungen des Iran als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrages angehen. Dies bedeute, dass die IAEO dann entscheiden werde, ob sie den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) einschalten werde. Dieser könne dann gegen den Iran wegen des heimlichen Betriebs der Urananreicherung über fast zwei Jahrzehnte hinweg Sanktionen gegen das Land verhängen.

USA sehen Trick

Die USA haben die Ankündigung des Irans, möglicherweise auf die Wiederaufnahme der umstrittenen Urananreicherung zu verzichten, als taktischen Trick abgetan. "Das ist so durchsichtig, dass ich nicht glaube, dass irgendjemand darauf hereinfällt", erklärte US-Staatssekretär John Bolton am Freitag in Wien. (APA/Reuters)

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