Klien steht ohne Arbeitgeber da

7. Oktober 2004, 16:34
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Jaguar-Team steigt mit Jahresende aus WM aus - Ford will Rennstall und Motorenschmie­de Cos­worth aus finan­ziellen Gründen verkaufen

London - Österreichs Formel-1-Pilot Christian Klien verliert seinen Arbeitgeber, denn das Jaguar-Team steigt mit Ende der Saison aus finanziellen Gründen aus der Weltmeisterschaft der Königsklasse des Motorsports aus. Der Mutterkonzern Ford gab am Freitag bekannt, dass er den Rennstall nach dem letzten Grand Prix am 24. Oktober in Brasilien zum Verkauf anbieten werde. Doch damit nicht genug: Auch die zum Ford-Konzern gehörende Motorenschmiede Cosworth wird verkauft, damit stehen die ohnehin schon von finanziellen Sorgen geplagten Privat-Teams Jordan und Minardi für nächstes Jahr ohne Antrieb da.

Ordentlich überlegt

"Nach gründlichen Überlegungen, die sehr schwierig waren und Monate gedauert haben, hat der Ford-Konzern entschieden, aus der Formel 1 auszusteigen. Wir werden unseren Rennstall daher zum Verkauf anbieten", erklärte Joe Greenwell, Vorsitzender und Geschäftsführer von Jaguar und Land Rover, in einer Aussendung, dass neben finanziellen Gründen auch die sportlichen Misserfolge für den Ausstieg verantwortlich seien.

Laut Ford-Vizepräsident Richard Parry-Jones, der in Sachen Formel 1 das letzte Wort im Ford-Konzern hat, gäbe es bereits einige Interessenten für den Rennstall. "Wir werden alles tun, damit das Team auch nach dem Verkauf weiter in der Formel 1 fährt", versicherte Parry-Jones, der sicher ist, dass auch ein Käufer für Cosworth gefunden wird. "Ich denke, Jaguar Racing und Cosworth sind attraktiv." Allerdings gab der Brite dann auch zu: "Es braucht extrem viel Geld, um in der Formel 1 erfolgreich zu sein."

Nur sieben wettbewerbsfähige Teams

Durch den Ausstieg von Jaguar und den Verkauf von Cosworth gibt es derzeit nur sieben wettbewerbsfähige Teams für die WM 2005: Die sechs werksunterstützten Rennställe Ferrari (Fiat), Williams-BMW, McLaren-Mercedes, Renault, BAR-Honda, Toyota sowie das Privatteam Sauber, das Ferrari als Motorenpartner hat. Jordan und Minardi müssen dagegen auf einen schnellen Verkauf von Cosworth an einen kooperativen Partner hoffen, damit sie auch im nächsten Jahr wieder Gas geben können.

Jaguar ist seit dem Jahr 2000 in der Formel 1 vertreten, als Ford den Rennstall von Jackie Stewart aufkaufte. Seither hinkt "Jaguar Racing" den ehrgeizigen Zielen in der Formel 1 nach und hat bisher noch keinen Grand Prix gewonnen. Der Rennstall mit Sitz im englischen Milton Keynes bei bisher 82 Grand-Prix-Starts lediglich 49 WM-Zähler eingefahren, drei davon gehen auf das Konto von Klien, der nun unter Druck steht. Denn in den letzten drei Rennen muss der 21-jährige Hohenemser mit guten Leistungen aufzeigen, will er auch 2005 in der Formel 1 fahren. Sein sechster Platz von Spa wird wohl zu wenig sein, um auch für nächstes Jahr ein Cockpit zu ergattern.

Magere Ergebnisse

Auf Grund der mageren Ausbeute war für Jaguar bisher in der Fahrer-Wertung ein neunter WM-Rang 2002 durch den Nordiren Eddie Irvine das Maximum, das wohl auch heuer nicht übertroffen wird, denn vor den letzten drei Rennen des Jahres liegen der Australier Mark Webber (13./sieben Punkte) und Klien (16./drei) bereits 16 bzw. 20 Zähler hinter Platz neun. Und auch im Konstrukteursbewerb wird es nach 2002 und 2003 wohl wieder nur Platz sieben geben, da Sauber-Petronas als Nummer sechs bereits 19 Punkte Vorsprung auf die lahmenden Raubkatzen hat.

Dabei war man 2000 mit dem britischen Fahrer Duo Irvine/Johnny Herbert mit ehrgeizigen Zielen gestartet, die "Grünen" wollten sich als "dritte Kraft" hinter McLaren und Ferrari etablieren und spätestens ab 2003 erstmals um Siege mitfahren. Die Top-Resultate blieben jedoch aus und auch Österreichs dreifacher Weltmeister Niki Lauda hatte im November 2002 nach eineinhalb Jahren Arbeit als Jaguar-Sportdirektor wegen chronischer Erfolglosigkeit den Hut nehmen müssen.

Werke werden geschlossen

Auch abseits der Formel 1 wird bei Ford der Gürtel enger geschnallt: Der US-Autokonzern gab ebenfalls am Freitag bekannt, eines der drei Werke der Luxusmarke Jaguar in Coventry zu schließen. In dem britischen Werk, in dem bisher über 2.000 Mitarbeiter das Sport-Coupe XK und den XJ montierten, werden 1.150 Stellen abgebaut. Ford will damit bei Jaguar wegen hoher Verluste massiv Kosten senken.

Auf dem Auto-Sektor ist Jaguar seit mehr als 80 Jahren eine etablierte Marke. Das englische Unternehmen für Nobelkarossen wurde 1922 von Sir William Lyons gegründet und hat so legendäre "Raubtier"-Modelle wie den SS100 oder den XK120 hervorgebracht.(APA/Reuters)

  • Jaguar verabschiedet sich.

    Jaguar verabschiedet sich.

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