Jagd auf Frisk-Angreifer

21. September 2004, 18:30
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Appell der Polizei an Zuschauer im römischen Olympiastadion - Im schlimmsten Fall droht Roma Ausschluss aus Champions League

Rom - Nach der Verletzung des Schiedsrichters Anders Frisk beim Fußball-Champions League-Spiel AS Roma gegen Dynamo Kiew im Olympiastadion am Mittwochabend jagt die italienische Polizei jenen Fan, der den Referee mit einer Ein-Euro-Münze beworfen hat. Fünf Tifosi wurden nach Medienangaben vom Freitag von der Polizei vernommen. Sie gehören zu einer Gruppe von Fans, die in der Halbzeit Gegenstände auf den Schweden geworfen hatten.

Ein-Euro-Münze als Geschoß

Die Polizei stellte fest, dass der Unparteiische mit einer Ein-Euro-Münze am Kopf verletzt wurde, die von der VIP-Tribüne geworfen worden war. Die Polizei will nun vom Nationalen Olympischen Komitee Italiens (CONI) die Liste der rund 500 Zuschauer überprüfen, die auf dieser Tribüne saßen. Die meisten von ihnen hatten vom CONI gratis eine Eintrittskarte bekommen, berichteten italienische Medien.

Die Polizei appellierte an die Zuschauer der Tribüne, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. "Wenn man uns hilft, können wir den Täter entlarven", sagte ein Polizeisprecher. Frisk konnte den Ermittlern keine nützlichen Informationen liefern. "Ich habe nicht gesehen, wer die Münze geworfen hat. Ich habe nicht einmal begriffen, mit welchem Gegenstand ich beworfen worden bin", sagte der 41-Jährige, der im römischen Krankenhaus "Gemelli" behandelt worden war und danach in seine Heimat zurückflog.

AS Roma hatte sich am Donnerstag offiziell bei Frisk entschuldigt. "Wir werden alles daran setzen, den Täter ausfindig zu machen", bekräftigte Roma-Sportdirektor Franco Baldini, der unzureichende Sicherheitsvorkehrungen nicht als Grund gelten lässt. "Es waren 400 Polizisten und zusätzlich 400 Ordner im Stadion." Dennoch droht Roma nicht nur ein Stadionverbot durch die UEFA, sondern im Extremfall sogar der Ausschluss aus der Champions League.

Konflikt Völler - Cassano

Rudi Völlers hartes Durchgreifen haben in Italien Spekulationen um eine Rücktrittsdrohung des Trainers ausgelöst. "Ultimatum von Völler, er ist bereit, den Klub zu verlassen", schreib "Gazzetta dello Sport" am Freitag. Der ehemalige DFB-Teamchef soll mit Rücktritt gedroht haben, wenn der Verein seine harte Linie gegen die undisziplinierten Spieler Philippe Merxes und Antonio Cassano nicht mittrage. "Wenn ihr mich nicht unterstützt, kann ich auch nach Deutschland zurückkehren", soll Völler in einem Gespräch mit den Klub-Managern gesagt haben.

Nach dem Skandal-Spiel bestellte Völler seine Mannschaft zum Rapport und mahnte zu mehr Disziplin. Den aufmüpfigen Cassano hatte er schon am Mittwoch zum Nachdenken drei Tage nach Hause geschickt, weil der 22-Jährige zum Meisterschaftsauftakt wegen einer Tätlichkeit vom Platz geflogen war und sich im Training dann auch noch lustlos präsentiert hatte.

"Wir hätten schon viel früher bei Cassano härter durchgreifen müssen", gab Romas Sportdirektor Franco Baldini Völler im Machtkampf mit Cassano Rückendeckung. Der Vizemeister wird den Stürmer mit einer Geldstrafe von bis zu 100.000 Euro belegen. Wenn das Verhältnis der beiden angespannt bleibt, wird Cassano laut Medienberichten seinen 2006 auslaufenden Vertrag im Winter wohl nicht wie erwartet verlängern, sondern vorzeitig wechseln wollen.

Auch Mexes bekommt eine Geldstrafe, weil er mit seinem Platzverweis gegen Kiew die Attacken auf den Schiedsrichter provoziert hatte.(APA)

  • Frisk mit blutender Wunde.

    Frisk mit blutender Wunde.

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