Chlamydien bei Mädchen sind verbreiteter als vermutet

22. September 2004, 12:35
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In Deutschland sind zehn Prozent aller 17-Jährigen infiziert

Hamburg – Weit mehr junge Frauen als vermutet sind mit Chlamydien infiziert: Zehn Prozent aller 17-Jährigen tragen die Bakterien in sich. "Die Zahlen sind alarmierend", sagte die Vorsitzende der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau, Gisela Gille, auf einem Fachkongress in Hamburg. Chlamydia trachomatis sei in Europa und den USA das häufigste sexuell übertragene Bakterium und der Hauptverursacher infektionsbedingter Sterilität. Schätzungsweise 100.000 Frauen in Deutschland könnten wegen einer Chlamydien-Infektion keine Kinder mehr bekommen.

Heimtückisch

Das Bakterium gilt als besonders heimtückisch, weil es sich ohne Symptome im Körper einnistet und bei zwei von drei Frauen unentdeckt bleibt. Seine Bekämpfung ist aber auch deshalb so schwierig, weil sexuell übertragbare Krankheiten in der Bundesrepublik noch immer ein Tabuthema sind, wie die Ärztin kritisierte: "Sie rangieren auf Platz eins der Peinlichkeitsskala". Nach einer Studie der Expertin wissen Jugendliche nahezu nichts über das gefährliche Bakterium: Acht von zehn Teenager haben demnach noch nie etwas über Chlamydien gehört. Am schlechtesten ist das Wissen bei Hauptschülern und Schülern ohne Abschluss.

"Diese Ergebnisse sind umso katastrophaler, wenn man berücksichtigt, dass das Zeitfenster vom ersten Sexualverkehr bis zum konkreten Kinderwunsch stetig wächst", sagt Gille. Im Schnitt vergingen zwischen diesen beiden Phasen jetzt schon zehn Jahre. Nach Angaben der Medizinerin steigt die Häufigkeit der Infektion mit dem Alter der Mädchen und der Anzahl der Partner. Das Risiko wächst auch durch Scheidenentzündungen und besonders frühen ersten Geschlechtsverkehr. Um zu verhindern, dass die Chlamydien-Infektion chronisch wird, empfiehlt die Expertin Screeninguntersuchungen – vor der Verschreibung der Pille und anschließend jährlich.

Bei den meisten Mädchen beginne die Infektion mit einer Entzündung in der Schleimhaut des Gebärmutterkanals, die lange unentdeckt bleibe, erklärte Gille. In mindestens der Hälfte der Fälle wanderten die Keime weiter in Richtung Gebärmutter. Schließlich könnten die Bakterien bis zu den Eileitern vordringen und dort im Gewebe Schäden anrichten, die sich nicht mehr beheben ließen. "Diese Schäden können wir verhindern, wenn wir Jugendliche aufklären und von der Kondomverwendung überzeugen, die Erkrankung rechtzeitig diagnostizieren und behandeln", betonte die Ärztin. (APA)

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