Pressestimmen: "Gefahr eines Bürgerkriegs"

18. September 2004, 14:23
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"Le Figaro": "Jede Diplomatie hilf- und machtlos"

London/Madrid/Paris - Zahlreiche internationale Zeitungen schreiben am Freitag über die Lage im Irak.

The Times

"Die jüngste Einschätzung von US-Präsident George W. Bush zum Irak ist düster, aber realistisch. Es besteht in der Tat die Gefahr, dass die Gewalt in einen Bürgerkrieg mündet. Was die jüngste Entführungswelle von Ausländern betrifft, darf die Regierung im Irak nicht nachgeben. Konzessionen gegenüber fanatischen Entführern leisten nur der nächsten Entführung Vorschub. Es gibt im Irak keine höhere Priorität, als die Sicherheit der Polizeikräfte zu gewährleisten. Wenn das nicht geschieht, wird der Nachschub austrocknen. Damit würden die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft für das Land begraben."

El Pais, Madrid

"Es ist nicht verwunderlich, dass der sonst so vorsichtige UN-Generalsekretär Kofi Annan es für unwahrscheinlich hält, dass unter den gegebenen Umständen zu dem geplanten Termin im kommenden Jänner glaubhafte Wahlen im Irak stattfinden können. Die Entführung zweier Amerikaner und eines Briten im reichen Viertel Bagdads, die vorherige Verschleppung zweier italienischer Hilfsmitarbeiterinnen und zweier französischer Journalisten - unter rund 100 weiteren Entführten -, die ständigen Anschläge und die kriegsähnlichen Auseinandersetzungen bestätigen es: Das mesopotamische Land ist nicht nur unregierbar, sondern auch unmöglich wieder aufzubauen."

Le Figaro

"Die Geiselnahme von Journalisten ist eine wirksame Waffe. (...) Die Terroristen sind Sunniten, die das Chaos vergrößern wollen. Die Rebellion der Sunniten ist ein Kampf bis zum Tod, um die Macht einer Minderheit zu erhalten. Anscheinend sehen ihre Anführer die einzige Siegeschance darin, Ausländer zu jagen, bevor sie untereinander abrechnen. Angesichts einer solchen Situation ist jede Diplomatie hilf- und machtlos."

"Dernieres Nouvelles d'Alsace" (Straßburg): "Die Fanatiker beschuldigen wahllos die in den Irak abkommandierten Soldaten, Mitglieder humanitärer Vereinigungen, Journalisten und Angestellte ausländischer Unternehmen. Nichts schützt mehr vor Splittergruppen und Mafia-Vereinigungen, die im Irak das Gesetz schreiben. (...) Weiterer Beweis ist die Ermordung türkischer Geiseln vor wenigen Wochen. Alles ist recht, um diejenigen zu destabilisieren, die die Ansichten der Fanatiker nicht teilen."

"Le Dauphine Libere" (Grenoble): "Das ist die neue Strategie in diesem schmutzigen Konflikt, der kein Ende nehmen will. Männer und Frauen, die man bei sich zu Hause verschleppt (...) - selbst in den ruhigsten Vierteln der Städte (...) Ein heimtückisches Spiel mit Leben und Tod, das nun zur Methode für die Destabilisierung geworden ist. (...) Wie soll man gegen eine solche 'Zersplitterung' der Gewalt vorgehen? Die Frage ist leider vergebens: Gerade weil sie wissen, dass es gegen ihre barbarischen Methoden kein geeignetes Gegenmittel gibt, greifen die Entführer nach Belieben darauf zurück." (APA/dpa)

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