AT&S baut zweites Werk in Shanghai

29. September 2004, 12:32
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Erste Umsätze ab zweiten Halbjahr 2006/07 - Einstieg in Digicam- und Camcorder-Markt angepeilt

Wien - Der steirische Leiterplattenhersteller AT&S hat nach "reiflichen Überlegungen und vielen Analysen" vom Aufsichtsrat gestern das Okay zum Bau eines zweiten Werkes in Schanghai bekommen. "Mit dieser Entscheidung hat sich AT&S wieder klar zum Wachstum bekannt, Asien und China sind nach wie vor die am stärksten wachsenden Märkte der Welt", so der Vorstandsvorsitzende Willi Dörflinger am Freitag in Wien vor Journalisten. Finanzchef Harald Sommerer, der im Sommer 2005 Dörflinger nachfolgen soll, rechnet damit, dass das 80 bis 100 Mio. Euro teure Werk ab dem zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres 2006/07 erste Umsätze bringen wird.

Die vollständig aus dem Cash-flow finanzierte Investition wird sich auf drei Jahre verteilen. Auf das laufende Geschäftsjahr soll sie noch geringe Auswirkungen haben. Sommerer hält weiter an der bisherigen Prognose eines Umsatzwachstums von 10 Prozent und "überproportional steigenden Erträgen" fest. 35 Mio. Euro der Gesamtkosten sollen in das nächste Geschäftsjahr fallen. In den nächsten Jahren sollen 50 Prozent des Gesamtumsatzes aus Asien kommen.

700 bis 800 neue Arbeitsplätze

Das neue Werk wird in unmittelbarer Nähe des ersten Werkes auf dem firmeneigenen Grundstück errichtet, wodurch die Investitionskosten geringer als beim ersten Werk ausfallen, das etwa 120 Mio. Euro gekostet hat. Dort hätte auch noch ein drittes Werk Platz, so Dörflinger. Die Gesamtkosten des neuen Werkes werden auch davon abhängen, auf welche Technologie es ausgerichtet wird. Derzeit wird eine Mischung aus HDI Microvia- und flexibler Leiterplatten-Technologie für am wahrscheinlichsten gehalten. Für diese Entscheidung will sich AT&S noch bis Herbst 2005 Zeit lassen. Im neuen Werk dürften zwischen 700 und 800 neue Arbeitsplätze entstehen. Im ersten Werk werden derzeit über 1.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Neben der Produktion für den Handy-Markt, wo AT&S nach eigenen Angaben weltweit einen Markanteil von 15 Prozent hält und 70 Prozent der Handy-Produzenten abdeckt, will der Leiterplattenproduzent in Zukunft auch verstärkt in andere digitale Bereiche - Digicams und Camcorder - einsteigen. In ein bis zwei Jahren möchte Dörflinger den dabei sehr wichtigen japanischen Markt mit Produkten bedienen können. "Wir wollen ein Stück des Kuchens erarbeiten, aber dort keine Produktionsstätte errichten", so der AT&S-Chef. Zur Errichtung einer Beratungs- und Vertriebsorganisation werden aber noch japanische Mitarbeiter benötigt.

Einen Schritt weiter als in Japan ist AT&S in Russland, wo schon eine Vertriebsmannschaft installiert wurde und das Umfeld sondiert wird. Auch eine Produktion sei dort möglich, aber erst, wenn die Kunden dort hingehen. Als Sitz für ein Vertriebsbüro wird derzeit wieder Moskau favorisiert. Für den US-Markt werden noch immer ein bis zwei Lokalitäten gesucht.

Firmenübernahmen

In Zukunft will sich AT&S auch verstärkt um Firmenübernahmen kümmern. Das geplante Umsatzwachstum sei längerfristig rein organisch nicht schaffbar, meinte Dörflinger am Rande des Pressegespräches. Deshalb sei eine neue "New Business Development"-Gruppe gegründet worden, die sich am Markt "aggressiv" nach Mergers & Akquisitionen (M&A)-Möglichkeiten umsehe und Kontakte aufnehme. Laut Sommerer gibt es zu viele Spieler am Markt, weshalb man aktiv die Konsolidierung betreiben wolle. 150 bis 170 Mio. Euro könnte AT&S dafür selbst darstellen, für weitere Summen müsste das Kapital erhöht werden, so Dörflinger.

An der Frankfurter Börse haben die AT&S-Aktien im Xetra-Handel am Freitag bis gegen 12:30 Uhr leicht um 0,73 Prozent auf 13,65 Euro eingebüßt. Das Jahreshoch lag bisher bei 16,58 Euro, das Jahrestief bei 8,84 Euro.(APA)

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