FPÖ und SPÖ peilen Platz Zwei an

19. September 2004, 16:23
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FP-Spitzenkandidat Egger nennt keine Schmerzgrenze - SP-Galionsfigur Keckeis: "FPÖ hat den zweiten Platz nicht verdient"

Hohenems/Bregenz - Die FPÖ ist davon überzeugt, am Sonntag bei der Vorarlberger Landtagswahl den zweiten Platz wiederzuerlangen. Deshalb mache er sich auch keine Gedanken über eine persönliche Schmerzgrenze, erklärte Spitzenkandidat Dieter Egger bei einer Abschluss-Pressekonferenz Freitag Vormittag in der Bregenzer Innenstadt. Zweites Wahlziel bleibe, eine absolute Mehrheit der ÖVP zu verhindern. Angesichts von Umfragen, die die Volkspartei bei 51 bis 52 Prozent sähen, könne er nur appellieren, die FPÖ zu wählen, um innerhalb einer bürgerlichen Regierung eine starke freiheitliche Kontrolle sicher zu stellen.

Auf einen Wunsch-Prozent-Wert wollte sich der Landesstatthalter nicht festlegen lassen. Dass das Wahlziel Platz zwei angesichts eines Vorsprungs von 14,5-Prozentpunkten gegenüber der SPÖ etwas bescheiden ausgefallen sei, bestritt Egger. Man müsse die Chancen realistisch sehen und die Groß-Wetterlage betrachten, spielte der Landeschef auf den Niedergang der Freiheitlichen bei den meisten Landtagswahlen der vergangenen Jahre an. Innerhalb der FPÖ wolle seine Landesgruppe jedenfalls die Nummer zwei hinter Kärnten bleiben.

Grundsätzlich ist das Ziel Eggers, mit den Freiheitlichen weiter in der Regierung vertreten zu sein. Aber auch eine Weiterarbeit im Sinne einer Kooperation mit der ÖVP im Falle einer Absoluten der Volkspartei schloss der Landeschef nicht aus. Ebenfalls kein Beinbruch wäre für Egger der Gang in die Opposition. Diese Rolle habe die FPÖ auf Bundesebene über viele Jahre gespielt.

Mit dem eigenen Wahlkampf zeigte sich Egger hoch zufrieden. Im Gegensatz zu den anderen Bewerbern habe die FPÖ auf parteipolitisches Hickhack verzichtet und rein auf Sachthemen gesetzt. Besonders pochte er dabei auf Verkehrsprojekte wie die zweite Pfändertunnel-Röhre sowie auf die freiheitliche Forderung, in Schulen eine Obergrenze von 20 Prozent für nicht-deutschsprachige Schüler einzuziehen.

"Wir wollen am Sonntag Zweite werden!" Der Schluss-Appell von SPÖ-Spitzenkandidatin Elke Sader war gleichzeitig Programm für die gesamte Wahlkampfabschluss-Veranstaltung der Vorarlberger Sozialdemokraten. Zuvor hatten bereits Bundesparteichef Alfred Gusenbauer und besonders Günther Keckeis, Galionsfigur der SPÖ Vorarlberg und 30 Jahre lang Landtagsabgeordneter, mit Reden voll von ÖVP-Kritik für Stimmung unter den rund 250 Gästen gesorgt.

Vor allem Keckeis verstand es, die SPÖ-Anhänger bestens zu unterhalten. Im Mittelpunkt seiner Rede stand Landeshauptmann Herbert Sausgruber, für den die ÖVP mit dem Slogan "Auf ihn ist Verlass" wirbt. Das habe die Volkspartei noch stets behauptet, sagte Keckeis trocken, nach den Wahlen seien aber immer nur drei Verlässlichkeiten übrig geblieben. Etwa die, "dass die ÖVP nie ihre Wahlversprechen einhält". "Die ÖVP sündigt, betet, beichtet und beginnt dann wieder von vorne", charakterisierte er die Volkspartei. Es wäre nur gerechtfertigt, wenn am 19. September nicht nur die Freiheitlichen abgestraft würden, sondern auch die ÖVP, meinte Keckeis, der im Alter von knapp 65 Jahren nicht mehr für den Landtag kandidiert.

Auf die Freiheitlichen kam Keckeis bewusst erst am Ende seiner Ausführungen zu sprechen. "Die FPÖ spielt jene Rolle, in der sie sich offensichtlich am wohlsten fühlt: Klon der ÖVP zu sein", begründete Keckeis und kritisierte, dass die Freiheitlichen mit elf Mandaten dieselbe Politik machten wie zu jener Zeit, als sie nur über drei Mandate verfügten. "Diese Partei verdient den zweiten Platz nicht, dieser zweite Platz gehört uns!" Die Konflikte zwischen ÖVP und FPÖ seien Scheingefechte, die am Wahlabend wieder beendet sein würden. Für die ÖVP fand er die freie Übersetzung "Partei der großen Heuchler".

Auch für Gusenbauer lautete das Ziel, am Sonntag den zweiten Platz zu erobern. Vorarlberg fehle das soziale Antlitz, bemängelte der Bundesparteichef, um zu ergänzen: "Das ist die SPÖ mit Elke Sader an der Spitze." Die SPÖ wolle ein starker Partner für die Vorarlberger und eine Alternative zu Schwarz-Blau sein, damit sich die politischen Verhältnisse zum Besseren wendeten. "Es gibt Hoffnung, es geht wieder aufwärts, Glück auf", schickte er die Vorarlberger Sozialdemokraten in den Wahlsonntag. (APA)

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