Safaripark Gänsendorf: Schimpansen "Pension" gesichert

22. September 2004, 09:27
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Der Pharma-Konzern Baxter übernimmt die Versorgung von insgesamt 43 Schimpansen bis an deren Lebensende

Die Zukunft des Safaripark Gänsendorf ist weiter ungeklärt. Der Pharmakonzern Baxter sichert Zahlungen zu, ein Kaufinteressent arbeitet an einem Finanzierungskonzept und Landeshauptmann-Stellvertreterin Onodi könnte eine Anzahl Affen "erben".

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Gänserndorf - Die Zukunft des Affenhauses im in Konkurs gegangenen Safariparks Gänserndorf scheint gesichert. Freilich gibt es auch daran leise Zweifel.

Der Pharma-Konzern Baxter hat sich verpflichtet, die Versorgung von insgesamt 43 Schimpansen bis an deren Lebensende zu übernehmen. Diese Aussagen seien "mit einem großen Fragezeichen versehen", meint indes der Tierarzt und mögliche Safaripark-Investor Josef Zoher im STANDARD-Gespräch.

Nötige Affenbetreuung

Vor allem die Kosten der Affenbetreuung machen ihm Sorgen: Im Grunde, so betont er, seien hier 38.000 Euro monatlich vonnöten, das Doppelte jener 19.000 Euro, die der Pharmakonzern als Weiterzahlung leisten will. "Rund 50 Prozent" würden die Personalkosten ausmachen: "Sie können intelligente und körperlich starke Tiere nicht von Hilfskräften versorgen lassen, das wäre gefährlich".

Dazu kämen noch Aufwendungen für die psychologische Betreuung, für das "behavioural enrichment" der Menschenaffen. Außerdem "täglich frische Früchte" als Futter und hohe Heizkosten: "Die Tiere kommen ursprünglich aus den Tropen und brauchen tropische Temperaturen über das ganze Jahr".

Kostgeld

15 Euro pro Tag erhält jeder Baxter-Schimpanse "Pension". Bei 43 Tieren ergibt das pro Quartal rund 57.000 Euro. "Wir haben kürzlich 100.000 Euro zusätzlich an Akut-Hilfe zugeschossen", ergänzt Unternehmenssprecher Roland Bettschart. Im Affenhaus leben noch etwa weitere 40 bis 50 Primaten, die zwar Logis genießen, deren Kost jedoch nicht von Baxter finanziert wird.

Der mögliche Investor Zoher wünscht sich von Baxter jedenfalls einen Finanzierungszusicherung "für die kommenden 20 bis 25 Jahre", so lang sei laut durchschnittlicher Schimpansen-Lebenserwartung mit dem Weiterleben der jüngsten Safaripark-Primaten zu rechnen.

Baxter-Affen scheiden aus der Konkursmasse aus

Mit 1. Oktober scheiden die Baxter-Affen aus der Konkursmasse aus. Ab dann wird laut NÖ-Tierschutzgesetz das Land - sprich Landes-Tierschutzverantwortliche Heidemaria Onodi (SP) - für das Wohlergehen der Tiere verantwortlich sein.

Baxter verfolgt die laufenden Verhandlungen um das Weiterbestehen des Safariparks mit großem Interesse: "Sollte irgendwann ein vernünftiges Konzept vorliegen, beziehungsweise, sollte jemand seitens des Safariparks an uns herantreten, sind wir gerne bereit über mögliche Kooperationen zu diskutieren", so Bettschart. Zur Zeit sei jedoch "alles offen".

Das bedeutet: Sollte es der potenzielle Käufer Josef Zoher nicht schaffen, ein Finanzierungsprojekt auf die Beine zu stellen und der Park müsste endgültig aufgelassen werden, wäre für das Affenhaus eine so genannte "Stand-Alone"-Variante denkbar. (APA, bri, DER STANDARD Printausgabe 17.9.2004)

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