Kleinkrieg um "Krone": Punkt an Dichands

15. Februar 2005, 16:21
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Gericht urteilt gegen WAZ-Mann - Nun geht es um Einbruch, Überwachung, Adressfragen

Kaum ein Tag ohne Gerichtstermin im Kampf um die "Krone". Donnerstag noch am Straflandesgericht Wien, am Freitag in etwas bescheidenerem Rahmen in Frankenmarkt. Die Schauplätze des Clinches zwischen den "Krone"-Eigentümern Hans Dichand und dem Essener Medienkonzern WAZ werden immer entlegener, die Rahmenhandlung gestaltet sich stets noch eigenwilliger.

Die Haushälterin und ein Nachbar der Dichands in Nußdorf am Attersee sollen heute, Freitag, erklären, ob Dichands ältester Sohn Michael tatsächlich am Attersee wohnt und nicht in Wien-Döbling. An diese Adresse, ein Haus seiner Mutter Helga Dichand, erging eine Einstweilige Verfügung.

Mit der Verfügung ließ die WAZ Michael Dichand zwei Behauptungen verbieten: Dass "die WAZ-Gruppe mit der organisierten Kriminalität in Kroatien zusammenarbeite" und "die WAZ einen Geheimvertrag" mit einer mafiösen "Grupo" geschlossen habe, wonach diese Grupo "an Geschäften, die die WAZ am Balkan tätigt, beteiligt" sei.

Um die Geschäfte der WAZ in Kroatien ging es auch Donnerstag vor dem Straflandesgericht. Hans Dichand hatte seinen geschassten, langjährigen Krone-Chefredakteur Friedrich Dragon wegen übler Nachrede geklagt. "Man wird versuchen, Hans Dichand aus seiner Funktion zu entfernen", hat Dragon im September 2003 der Presse erklärt. Die Vorwürfe von Dichands Sohn gegen die WAZ nannte Dragon "ungeheuerliche Verleumdung": "Das ist ja nicht ohne Wissen von Hans Dichand passiert."

Dragon vertritt inzwischen die WAZ in Österreich. Für deren Geschäftsführer Bodo Hombach "lag auf der Hand", dass der Vater vom Treiben seines Sohnes wusste. Dragon habe ihm "aus dem Herzen gesprochen", Hombach "hätte dasselbe gesagt".

Richterin Natalia Frohner schloss sich Kläger Hans Dichand an, dessen "Mittäterschaft" nicht nachgewiesen sei: üble Nachrede, 1200 Euro bedingt. Dragons Anwalt Daniel Charim legte Berufung ein, das Urteil ist also nicht rechtskräftig.

Auch am Landesgericht für Zivilrechtssachen ging ein Punkt an die Dichands: Ende August verbot es Charim, den Eingang jenes Döblinger Hauses Helga Dichands von einer Detektei filmen zu lassen, in dem Michael Dichand in Wien wohnte. Die Verfügung erging Ende August, zum letzten Mal beim Ein- und Ausgehen in Döbling überwacht wurde Michael Ende März.

Schon wieder die leidige Adressfrage: Döbling oder Attersee? Auch gegen diese Verfügung legte WAZ-Anwalt Charim "Widerspruch" ein. Gefilmt wurde nur auf öffentlichem Grund, argumentiert er, das Ergebnis nur dem Gericht vorgelegt.

Noch eigenwilliger ist die Geschichte von jenem Nachtportier des Wachdienstes in der Krone, der dabei ertappt wurde, wie er das Büro von Hans Dichand durchstöberte. DER STANDARD berichtete Donnerstag von den Einbrüchen im Hauptquartier des Kleinformats. Die WAZ fühlte sich erst von Dichands damit in Verbindung gebracht, was Hans Dichand bestritt.

Wirklich ernst wird es im Oktober, wenn das Schiedsgericht tagt. Die WAZ hat es angerufen, um Hans Dichand als Hauptgeschäftsführer der Krone mit weit reichenden Vollmachten abzuberufen. Mit einer gütlichen Einigung, die das Schiedsgericht Ende September vorschlagen will, rechnet keiner der Beteiligten. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2004)

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