Ganz Serbien im Wahlfieber

18. September 2004, 22:14
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Landtagswahlen in der Vojvodina - Ultranationalisten und Demokratische Partei führen in Umfragen

Ganz Serbien befindet sich im Wahlkampf. Wahlplakate hängen an jeder Ecke, auf allen Kanälen werden TV-Duelle ausgetragen, Wahlkämpfer ziehen durch Städte und Dörfer, wo immer man hinblickt sieht man Wahlkundgebungen. So viel Geld und Energie wie nun investierten serbische politische Parteien weder in die vorgezogenen Parlamentswahlen im Dezember des Vorjahrs noch in die Präsidentschaftswahlen im Juni.

Kommunalwahlen und Landtagswahlen

Am Sonntag finden in ganz Serbien Kommunalwahlen und in der Vojvodina zusätzlich auch Landtagswahlen statt. Zum ersten Mal werden die Bürgermeister in größeren Städten direkt gewählt. Der Bürgermeister der Millionenstadt Belgrad ist de facto nach dem Premier der zweitmächtigste Mann in Serbien. In der Vojvodina werden Abgeordnete für das Landesparlament ebenfalls erstmals aufgrund eines neuen Wahlgesetzes gewählt, das nationalen Minderheiten in der multiethnischen Provinz Parlamentsmandate garantieren soll.

Ultranationalisten und Demokratische Partei an der Spitze

Laut Meinungsumfragen liegen die bürgerliche Demokratische Partei (DS) und die ultranationalistische Serbische Radikale Partei (SRS) mit jeweils rund 27 Prozent sowohl in Serbien wie auch in Belgrad einsam an der Spitze. Nach der Wende vor vier Jahren hatte die mit dem Regime Milosevic paktierende SRS in keiner einzigen Gemeinde Serbiens Lokalwahlen gewonnen. Besonders spannend wird es in der Vojvodina, in der die rechtsextremistische SRS als die mit Abstand stärkste Partei bewertet wird. Die ethnisch motivierten Zwischenfälle der letzten Zeit schaffen fruchtbaren Boden für die Nationalisten.

Bildungsministerin geht

Die DS musste allerdings einen Rückschlag einstecken: Die serbische Bildungsministerin und DS-Spitzenfunktionärin Ljiljana Colic trat am Donnerstag zurück. Sie hatte mit dem Versuch, die darwinsche Evolutionstheorie aus dem Unterrichtsprogramm der Volksschulen zu streichen, für öffentliches Aufsehen gesorgt. (DER STANDARD, Printausgabe 17.9.2004)

Von Andrej Ivanji aus Belgrad Nachlese

Sieg der Ultranationalisten erwartet

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