Bundesmuseen: Basisabgeltung wird nicht erhöht

23. September 2004, 21:07
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Sorge und Enttäuschung bei den Direktoren

Wien - Die Bundesmuseen haben laut einer Schätzung von Wilfried Seipel, dem Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums, einen finanziellen Mehrbedarf von 15 bis 20 Millionen Euro, um die gesetzlich verankerten Aufgaben auch in Zukunft erfüllen zu können. Dennoch wird die Basisabgeltung in den Jahren 2005 und 2006 nicht erhöht werden. Dies ist das Ergebnis der Budgetgespräche zwischen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und Finanzminister Karl-Heinz Grasser.

Unter den Museumsdirektoren herrscht Sorge und Ärger: Seipel sieht seine einzige Chance im Absagen von Ausstellungen. Das KHM-Ankaufsbudget wurde bereits heuer auf Null gestellt. Auch Bernhard Lötsch vom Naturhistorischen Museum beklagt, dass es keine Spielräume für notwendige Investitionen gebe: "Wir wurden ja erst 2003 ausgegliedert. Die Fortbestandsprognose besagt, dass wir, selbst wenn alle Einnahmemöglichkeiten ausgereizt werden, nach drei Jahren in eine nicht mehr bewältigbare Krise schlittern." Also 2006.

In den Gesprächen führte Grasser eine in seinem Auftrag erstellte Bilanzanalyse ins Treffen, nach der die Subventionen ausreichen würden: Die Basisabgeltung sollte, da sich die Erfordernisse in den einzelnen Häusern veränderten, nicht mehr nach dem 1997 vereinbarten Schlüssel verteilt werden. Denn die Österreichische Galerie kommt, wie Direktor Gerbert Frodl bestätigt, gut über die Runden. Und das MAK erhält ungleich mehr als die Albertina.

Insgesamt aber wird das Ergebnis energisch bestritten: Gehrer überlegt, ein Gegengutachten erstellen zu lassen. Als Minimalerfolg kann sie Sondermittel für Sicherheitsmaßnahmen verbuchen.

Auch die Nationalbibliothek bekommt nicht mehr: Ihr wird bloß der Betrieb des Palais Mollard, das 2005 eröffnet wird, abgegolten - mit 176.000 Euro. Generaldirektorin Johanna Rachinger, der eine Erhöhung ob der geleisteten Einsparungsmaßnahmen in Aussicht gestellt worden war, ist schwer enttäuscht: "Ich muss das erst einmal verdauen."
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.9.2004)

Von
Thomas Trenkler

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