Gorbach will Hecke an der Spitze

23. September 2004, 08:59
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Der Infrastrukturminister will statt Rüdiger vorm Walde Asfinag-Chef Hecke als Holding-Chef und löst damit heftige Proteste aus

Wien - In der Frage der Nachbesetzung des vakanten Infrastruktur-Vorstandspostens in der ÖBB Holding hat sich Infrastrukturminister Hubert Gorbach (FP) für den Chef der Autobahngesellschaft Asfinag, Walter Hecke, ausgesprochen - und damit heftige Proteste unter anderem von der Bahngewerkschaft und der SPÖ geerntet.

"Befehlsausgabe"

"So unverschämt hat noch kein Verkehrsminister in die Rechte des ÖBB-Aufsichtsrates eingegriffen", kritisierte der Chef der Eisenbahnergewerkschaft Wilhelm Haberzettl. Mit dieser Stellungnahme des Ministers würde nachweislich "blaue Personalpolitik" betrieben. Eine solche öffentliche "Befehlsausgabe" an den ÖBB-Aufsichtsrat vor der Sitzung am kommenden Donnerstag werde von der Belegschaftsvertretung abgelehnt.

SP-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter appellierte in einem Offenen Brief an den ÖBB-Aufsichtsrat, "Personalentscheidungen ohne parteipolitischen Zuruf Gorbachs zu treffen".

Gorbach hatte im Ö1-Morgenjournal am Donnerstag gemeint, Hecke, sei "im Verkehrsbereich ein ernst zu nehmender Spitzenmanager, in welcher Position auch immer". Hecke, der als FP-nahe gilt, hat mehrmals anklingen lassen, dass er nur als Nummer eins in die ÖBB wechsle. Dann stünde aber ÖBB-Chef Rüdiger vorm Walde im Wege, der erst vor zwei Monaten einen neuen Vertrag als Vorstandsvorsitzender der ÖBB Holding AG bis Juli 2006 unterschrieben hat. Gorbach: "Man soll jeden dort einsetzen, wo er seine Stärken hat und wo er sich pudelwohl fühlt". Er habe den Eindruck, bei Vorm Walde sei dies im Personenverkehr der Fall. Mit vorm Walde selbst hat dem Vernehmen nach noch niemand gesprochen, ob er sich einen Rückzug aus der Holding vorstellen könne.

Fischer zog Kandidatur zurück

Unterdessen hat ein weiterer Kandidat für den Holding-Job, Telekom-Austria-Vorstand Rudolf Fischer, seine Bewerbung zurückgezogen. "Mir ist geraten worden, nicht in die ÖBB zu wechseln".

100 ÖBBler haben inzwischen Klage gegen das seit Mai 2004 geltende neue Dienstrecht eingebracht. Sie wollen ihr altes Dienstrecht zurück. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.9.2004)

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    Infrastrukturminister Hubert Gorbach (l.) lobt die Kompetenz von Asfinag-Chef Walter Hecke.

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