"Wir brauchen Bewegungsspielraum"

24. September 2004, 13:48
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Die ÖIAG-Vorstände Peter Michaelis und Rainer Wieltsch im STANDARD-Gespräch über ihr Verhältnis zu Mirko Kovats, zum "Verkaufen und Behalten" von Beteiligungen und über das VA-Tech-Debakel

STANDARD: Will die ÖIAG ihre Umtauschanleihe auf 15 Prozent Voestalpine-Aktien vor September 2006 wandeln?

Wieltsch: Nein, wir können und dürfen diesen Exchangeable von uns aus vor dem vorgesehenen Zeitpunkt nicht wandeln. Sollte aber jemand wider Erwarten und jede ökonomische Überlegung wandeln wollen, brauchen wir Bewegungsspielraum, um ihn nicht automatisch in Cash ablösen zu müssen, sondern in Aktien - nur weil wir binnen 24 Stunden den vorgeschriebenen Aufsichtsratsbeschluss nicht organisieren können.

Michaelis: Wir haben die Wandelschuldverschreibung ja mit der Auflage begeben, dass wir zum Zeitpunkt der Wandlung den Aufsichtsrat nochmals mit der Frage befassen, wie wir wandeln. Hintergrund dafür ist, dass laut Privatisierungsauftrag für die Voestalpine eine österreichische Kernaktionärsstruktur gegeben sein muss. Mit Scharinger-Gruppe, Oberbank und Mitarbeiterstiftung und dem Vorkaufsrecht des Landes Oberösterreich ist eine solche mittlerweile gegeben.

STANDARD: Warum haben Sie sich diesen Bewegungsspielraum nicht gleich gesichert? Beim derzeitigen Kurs von 44 Euro wäre Wandeln doch ein gutes Geschäft für die ÖIAG, sogar ein besseres, als seinerzeit die Kapitalerhöhung bei 32,50.

Wieltsch: Erstens war damals nicht klar, dass wir so flott auf 44 Euro kommen, und zweitens dürfen wir zu unseren Kunden nicht einfach sagen: Gebt alles wieder her! - Wir können jetzt nicht alles zurückkaufen. Wir müssen aber reagieren können.

Michaelis: Würde heute jemand wandeln, würde er richtig Geld verschenken. Denn parallel zum Aktienkurs bildet sich ja auch ein Kurs für die Wandelschuldverschreibung heraus - und der liegt im Moment bei zirka 48 Euro. Wer jetzt wandelt, würde also vier Euro verschenken. Die Voest-Aktie könnte sich aber noch viel besser entwickeln.

STANDARD: Stichwort VA Tech. VA-Tech-Investor Mirko Kovats wirft Ihnen mangelnde Pakttreue vor. Gibt es einen Pakt? Wenn ja, wie sieht dieser aus?

Michaelis: Nein, es gibt keinen Pakt zwischen Dr. Kovats und uns. Wir haben im Frühjahr gemeinsam mit Dr. Kovats in der VA-Tech-Aufsichtsratssitzung die Kapitalerhöhung beschlossen. Zu unserem größten Erstaunen hat Dr. Kovats in der Hauptversammlung (am 29. April, Anm.) plötzlich gegen seinen eigenen Beschluss gestimmt.

STANDARD: Er hat sich auch jetzt für die Kapitalerhöhung ausgesprochen. Es gibt aber Hinweise darauf, dass es wieder nicht klappt. Muss der VA-Tech-Vorstand dann mit dem Abverkauf beginnen?

Wieltsch: Zwischen Verkaufen und Behalten gibt es noch ein paar Zwischenstufen. Es ist ein Plan, der die Banken bei der Stange hält. Wir haben großes Vertrauen, dass die Ergebnisprognosen des neuen Managements halten.

STANDARD: Haben Sie Kovats falsch eingeschätzt? Seit den Übernahmeverhandlungen mit Siemens ist offenkundig, dass er an der Einheit des Konzerns nicht interessiert ist.

Michaelis: Als Dr. Kovats die Voest-Anteile erworben hat, ist von ihm klar gesagt worden, dass er an der Erhaltung des Konzerns als Einheit interessiert ist. Er ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen und hat gesagt, dass selbst die (defizitäre, Anm.) Wassertechnik beim Konzern bleiben sollte. Außerdem ist er in nicht nachvollziehbaren Schritten von 19,09 auf 12,53 Prozent heruntergegangen. Jemand, der sich als langfristiger Investor etablieren möchte, hat für dieses Verhalten zumindest Erklärungsbedarf.

STANDARD: Auch bei der OMV steht eine Kapitalerhöhung an. Wird die ÖIAG mitziehen?

Wieltsch: Die ÖIAG hat die Verpflichtung (gegenüber dem Syndikatspartner IPIC in Abu Dhabi, Anm.), über 25 Prozent zu bleiben. Vereinfacht ausgedrückt: Wenn diese Kapitalerhöhung beschlossen wird, dann ist unsere Tendenz, nicht mitzuziehen. Weil es der gemeinsamen Stärke entsprechend auch nicht notwendig ist. Es gibt dazu aber noch keinen Beschluss, wir müssen damit erst unsere Organe befassen. Dahinter steht die Überlegung, dass wir, selbst wenn IPIC mitziehen würde, gemeinsam unter 50 Prozent kämen. Dadurch käme der Freefloat über 50 Prozent, und das wäre für die OMV-Aktie sehr, sehr positiv.

STANDARD: Könnte die OMV ein Übernahmekandidat werden?

Wieltsch: Nein. Die OMV hat an Gewicht entscheidend zugelegt. Außerdem käme uns mit - sagen wir - 49 Prozent die gemeinsame Stärke in den Hauptversammlungen nicht abhanden. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.9.2004)

Zur Person

Peter Michaelis (58) ist seit Juli 2001 Vorstandssprecher der Österreichischen Industrieholding (ÖIAG). Zuvor war der Jurist und Betriebswirt bei Mannesmann in verschiedenen Führungsfunktionen tätig, zuletzt als Generalbevollmächtigter der Atecs Mannesmann AG.

Rainer Wieltsch (60) ist seit Mai 2003 im ÖIAG-Vorstand. Der studierte Maschinenbauer (TU Wien) war zuvor in der Geschäftsleitung von IBM Österreich, Geschäftsführer der J & A Frischeis und von 1992 bis 2002 Finanzvorstand der Egger Unternehmensgruppe in St. Johann in Tirol.
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    Rainer Wieltsch (l.) und Peter Michaelis: "Es gibt keinen Pakt zwischen Dr. Kovats und uns."

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