Sterben die Hauptschulen aus?

15. Dezember 2004, 18:23
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Auf dem Land gibt es für den Schultyp "Hauptschule" keinerlei Imageproblem. Ganz anders die Situation in den Städten

Josef Wildanger und Armin Sonauer sind zwei Direktoren, die die Imageprobleme von Hauptschulen mehr vom Hörensagen kennen. Wildanger ist Direktor im Tiroler Lechtal und dort "gehen 99 Prozent der Volksschüler in die Hauptschule weiter". Und Sonauer aus Mautern in Niederösterreich verweist auf die Spezialisierung als Sporthauptschule, die ihm jährlich mehr Bewerber und Bewerberinnen beschert, als Plätze in der Klasse zu vergeben sind. Hauptschule am Land oder mit Spezialisierung – in dieser Kombination scheinen Imageprobleme dieses Schultyps marginal und das Fortbestehen der Klassen vorerst gesichert. Ganz anders schaut es in den Städten aus, dort bleiben Schüler aus, weil Eltern sie um jeden Preis im Gymnasium unterbringen möchten.

"Ausländer gleich Hauptschule"

Das Klischee: "Ausländer gleich Hauptschule, Österreicher gleich Gymnasium". In manchen Klassen verstünden einander Schüler und Lehrer kaum mehr, weil die Sprache als kleinster gemeinsamer Nenner des Einander-verstehen-Könnens nicht mehr gelte. Sinkendes Niveau im Unterricht, frustrierte Lehrer und schlechte Jobchancen für Absolventen und Absolventinnen seien die Folge, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Auch in Oberösterreich ist Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer (VP) für Spezialisierung, um den Schultyp attraktiv zu halten. Von einem Modell, das sich die Wiener Kollegen haben einfallen lassen, um mehr Schüler in die Hauptschule zu bekommen, hält er wenig: die kooperative Mittelschule. Sie sei "nicht Fisch und nicht Fleisch".

Kooperationen

Dabei geht es um die Kooperation zwischen Hauptschulen und allgemein bildenden höheren Schulen in der Unterstufe. Susanne Brandsteidl, Wiens Stadtschulratspräsidentin (SP), hoffte beim Start dieser Schulform im September 2003, dass damit das "leidige Problem der Eltern", sich zwischen Hauptschule oder AHS für die Kinder entscheiden zu müssen, erledigt sei. Auch die "Rückfluter" von der AHS zur Hauptschule gebe es nicht mehr. Bis zu 8000 Zehn- bis Vierzehnjährige würden die Schulform nützen. Ein ähnliches Modell hat man in der Steiermark kreiert, erklärt Landesschulinspektor Hermann Zoller, dort nennt man das Modell nach deutschem Vorbild "Realschule" und es bedeutet ebenfalls eine Verschränkung von Unterricht und Lehrpersonal der Hauptschule und der AHS. Alles in allem gingen achtzig Prozent aller Volksschüler anschließend in die Hauptschule, nur in der Landeshauptstadt Graz seien es weniger. In Wien wählt rund die Hälfte den Weg in die AHS, erklärt man beim Stadtschulrat. Zu spüren sei aber eine Abkehr vom Hauptschulklischee als Ausländerschule: Die zweite Generation von Migranten gehe zunehmend in die AHS.

Weniger Kinder

Was allerdings allen Hauptschulen in den nächsten Jahren zu schaffen machen werde, egal ob am Land oder in der Stadt, seien die geburtenschwachen Jahrgänge. Zu Oberösterreich meint Enzenhofer: "Vor zehn, fünfzehn Jahren hatten wir noch jedes Jahr 26.000 neue Schüler, jetzt sind es 15.000, prognostiziert sind für die kommende Jahre 13.000." Direktor Wildanger aus dem Lechtal meint, dann müsse man halt – wie schon jetzt bei Volksschulen – auch Hauptschulen in den Seitentälern Tirols schließen.

Von Andrea Waldbrunner
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