"Terrorkampf für Einschränkungen genützt"

27. September 2004, 14:20
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Pressefreiheit in Not

Geht es um Pressefreiheit, gilt, was der südafrikanische Medienexperte Gavin Reddy Donnerstag im Wiener Radiokulturhaus sagte: "Keine Nachrichten sind gute Nachrichten." In den meisten Ländern gibt es diesbezüglich aber ausreichend zu berichten, Reporter ohne Grenzen Österreich lud deshalb internationale Medienvertreter zum Austausch über "Notstand Pressefreiheit".

"Regierungen haben den Kampf gegen den Terrorismus genützt, um die Pressefreiheit zu beschneiden." Ibrahim Helal, ehemaliger Al-Jazeera-Chefredakteur klagt nicht nur die Bush-Administration an. "Wer im Sudan über Darfour berichtet, wird sofort Sympathie mit dem Terrorismus unterstellt." Eine Chance entgegenzuwirken, sieht Helal in der Digitalisierung, wieder am Beispiel Darfour: "Die Führung konnte nicht verhindern, dass Bilder und Informationen um die Welt gingen."

"Wir haben zu viele Zeitungen", klagt indessen der Südafrikaner Reddy und spricht eine weitere Gefahr für die Pressefreiheit an: Viele kämpften ums Überleben, übrig bleibe nur die Skandalpresse. "Unsere Gesetze sind die besten, unsere Medien leider nicht." Ähnlich in Afghanistan. Dort habe aber die Privatisierung nach den Taliban inzwischen zu einem "breiten Spektrum an Zeitungen und privaten TV-Stationen" geführt, berichtet Martin Hadlow von der Unesco.

Davon ist Russland weiter entfernt denn je, wie ORF-Korrespondentin Susanne Scholl berichtet. Die Berichterstattung über das Geiseldrama von Beslan habe es mehr als deutlich gemacht: "In Russland gibt es keine Pressefreiheit." (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2004)

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