Libro: Anzeige gegen Rettberg und sechs Nebenbeklagte liegt vor

24. September 2004, 19:41
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Format: Verdacht der betrügerischen Krida bzw. Beihilfe zur betrügerischen Krida - Staatsanwalt prüft - Rettberg-Anwalt Eckert: "Auf dünnen Beinen"

Wien - Ein mögliches gerichtliches Nachspiel zur rund drei Jahre zurückliegenden Insolvenz des Libro-Konzerns rückt näher. Die Ermittlungen der Kriminalabteilung des Landesgendarmeriekommandos Niederösterreich gegen den flüchtigen einstigen Libro-Chef Andre Rettberg sind abgeschlossen, berichtet das Nachrichtenmagazin "Format" in seiner morgen erscheinenden Ausgabe.

Eine 97 Seiten starke Anzeige wegen Verdachts auf betrügerische Krida gegen Rettberg bzw. wegen Verdachts auf Beihilfe zur betrügerischen Krida gegen sechs Nebenbeklagte liege dem Wiener Neustädter Untersuchungsrichter Hans Barwitzius vor.

Staatsanwalt prüft

Das Landesgericht Wiener Neustadt sagte heute der APA, dass die Causa derzeit beim Staatsanwalt zur Prüfung liege. Die Voruntersuchung gegen weitere frühere Libro-Manager und Aufsichtsräte sei noch am Laufen.

In der Anzeige wird Rettberg vorgeworfen, "in der Zeit von August 2001 bis gegenwärtig Teile seines Vermögens in Höhe von 70 Mio. Schilling (5,09 Mill. Euro) beiseite geschafft und verheimlicht zu haben, um dadurch die Befriedigung seiner Gläubiger oder zumindest eines von ihnen zu vereiteln oder zu verhindern", zitiert das Magazin aus der Anzeige.

Im Mittelpunkt der Anzeige steht die Wiener Firma Esposa, in der Rettberg in der Absicht, seine Gläubiger zu prellen, einen Gewinnschein über 4,4 Mio. Euro geparkt haben soll. Vor allem der Oberbank und der BA-CA sei durch Rettbergs "deliktisches Vorgehen erheblicher Vermögensschaden" entstanden.

Geschäftsfreunde als Nebenkläger

Unter den Nebenbeklagten finden sich laut "Format" Rettbergs Geschäftsfreunde August Andre de Roode, Friedrich Lind und Falko Müller-Tyl. Ihnen wird in der Anzeige vorgeworfen, Rettberg bei seinem von den Ermittlern vermuteten Betrug durch die Bereitstellung von Firmenstrukturen und Konten unterstützt zu haben.

Alle Beteiligten wiesen diese Vorwürfe gegenüber "Format" zurück. Rettberg-Anwalt Gerhard Eckert: "Diese Anzeige steht auf dünnen Beinen. Nachdem die Ermittler keine besseren Fakten gegen Rettberg gefunden haben, versuchen sie offenbar jetzt, einen normalen Vorgang nachträglich zu kriminalisieren."

Ihm, Eckert, lägen Gutachten von Strafrechtsexperten wie dem prominenten Universitätsprofessor Wolfgang Brandstetter vor, denen zufolge der Tatbestand der betrügerischen Krida aus "zwingenden rechtlichen Gründen" nicht gegeben sein könne, heißt es in dem Bericht weiter.

Anfechtungssichere Vergleiche

Laut einer dem Magazin vorliegenden Chronologie der Ereignisse aus Sicht Rettbergs wurde Esposa gegründet, um mit den Gläubigerbanken Vergleiche zu erzielen, die angesichts des damals schon drohenden Insolvenzszenarios für Rettberg anfechtungssicher sein sollten.

Die Banken hätten diesen Vergleichen im Wissen um weitere Vermögenswerte Rettbergs zugestimmt. Die betrügerische Krida könne auch deshalb nicht gegeben sein, weil Rettberg der Esposa den Gewinnschein nicht zu privaten Zwecken, sondern zur Befriedigung seiner Gläubiger übergeben habe, heißt es. (APA)

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