"Hellboy": Ein Teufel muss noch erwachsen werden

26. März 2005, 22:43
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Guillermo del Toros Comicverfilmung "Hellboy" zollt mit körperlicher Wucht sympathischen Freaks Tribut

Feuerrot, aber mit geschliffenen Hörnern präsentiert sich ab Freitag ein neuer Comicheld auf der Kinoleinwand: Guillermo del Toros „Hellboy“ zollt mit körperlicher Wucht sympathischen Freaks Tribut.


Wien – Mit Superkräften, die ihnen nicht selten europäische Emigranten verliehen, traten in den 40er-Jahren US-Comichelden wie Captain America noch vor der offiziellen Politik den Kampf gegen das Naziregime an. Hellboy, Guillermo del Toros jüngste Comicverfilmung, beginnt mit einer umgekehrten Vorgeschichte: Sie zeigt, wie Hitlers Schergen 1944 Magier Rasputin (Karel Roden) um Hilfe aus den Orkustiefen bitten. Und heraus hüpft ein kleines, rotes Teufelchen – das jedoch nicht Nazis, sondern Amerikaner in Babypflege nehmen.

60 Jahre später geht's weiter: Aus dem Satanssäugling ist ein über zwei Meter großer Kraftlackel geworden, der gerade jugendliche Wirren durchlebt. Ein Beispiel für die Überlegenheit der (US-)Kultur über die Natur, hat doch die Zivilisation seine dämonischen Triebe gezügelt: Hellboy (Ron Perlman) kämpft inzwischen auf der richtigen Seite; er raucht zwar Zigarren, ernährt sich von Unmengen an Pancakes; doch er schleift auch pflichtschuldig seine Hörner. Der Grund: "to fit in".

Hellboy vereint Charakteristika neuerer Comicadaptionen wie X-Men und Van Helsing mit dem popkulturellen Fangestus der Spider-Man-Filme von Sam Raimi: Zum einen erhält der sympathisch grobschlächtige Held, der für die "US-Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen" in Aktion tritt, von einer Reihe illustrer Nebenfiguren Assistenz: von Abe Sapien (Doug Jones), einem hyperintelligenten Fischwesen, und von Liz Sherman (Selma Blair), einem Mädchen, das pyrokinetisch alles entflammen kann.

Zum anderen verkörpert Letztere auch den "love-interest" des Films: ein Erzählstrang, der Hellboy ebenso humane Züge verleihen wird wie der obligatorische Vater-Sohn-Konflikt. Wieder einmal geht es ums Erwachsenwerden, wobei die Rede davon, dass man sich dabei erst Hörner abstoßen muss, hier recht wörtlich genommen wird. Hellboy, leicht aufbrausend von Natur aus, wird lernen, wie man zum Mann wird; die Fähigkeiten dazu hat ihm sein "Vater" Professor Bruttenholm (John Hurt) verliehen.

Crossover ohne CGI

Del Toro, der in Cronos und Mimic bereits Horror mit Sci-Fi zu verbinden wusste, legt Hellboy als turbulentes Crossover aus Comic- und fantastischen Elementen an. Es überzeugt nicht so sehr durch erzählerische Konsistenz denn als ein lakonisch inszenierter Tribut an Figuren mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und menschlichen Nöten. Der knallrote Held bleibt so auch sehr physisch in seinem Erscheinungsbild, er benötigt keine CGI-Unterstützung in seinem Kampf gegen den Wiedergänger Rasputin und seine Höllenschar.

Beinahe nur in der Nacht, in mit gelblichem Licht durchtränkten Bildern, schlägt sich Hellboy durch die gelungen choreografierten Actionszenen und ironisiert sein Tun mit komischen One-Linern. Dabei prallen nicht nur Gute auf Böse, sondern auch Körperlichkeit auf seelenlose Mechanik: Der unheimlichste Kontrahent für den Muskelprotz mit Herz ist folgerichtig Kroenen, Hitlers mumifizierter Killer mit Gasmaske, der sich mit einem Schlüssel immer wieder zu neuem Leben aufzieht. Mit dieser Gegnerschaft schreibt sich Hellboy in eine alte Tradition von Superheldentum ein und vergewissert sich ganz ungeniert seiner Pop-Geschichte. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.9.2004)

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    foto: columbia
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