Russische Bürger wollen sich selbst gegen Terroristen wehren

19. September 2004, 09:51
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Diskussion über die Lockerung der Waffengesetze entbrannt: "Der Staat schützt uns nicht vor Anschlägen" wird laut Moskauer Zeitung zitiert

Moskau - Nach der Serie von Terrorakten ist in Russland eine Diskussion über die Lockerung der Waffengesetze entbrannt. Parlamentsabgeordnete aus verschiedenen Regionen forderten, den Bürgern den Kauf von Waffen zur Selbstverteidigung zu erlauben, berichtete die Moskauer Tageszeitung "Iswestija" am Donnerstag.

Waffe für jeden Familienvater

Seit dem Terroranschlag von Beslan deckten sich nach Angaben der Zeitung immer mehr Bürger trotz geltender Verbote mit Pistolen und Gewehren ein. "Der Staat schützt uns nicht vor Anschlägen", zitierte die "Iswestija" einen Bürger aus Sotschi. "Darum schützen wir uns von nun an selbst." Der Mann vertrat die Ansicht, dass die Terroristen die Schule niemals besetzt hätten, wenn in Beslan jeder Familienvater eine Pistole gehabt hätte. Auch in einer Umfrage des Fernsehsenders STS nannte eine Mehrheit die eigene Waffe als besten Schutz gegen Terroristen.

Illegale Waffen

Legal dürfen in Russland nur Jäger und Wachleute Schusswaffen kaufen. Allerdings seien beispielsweise allein in der unruhigen Kaukasus-Republik Dagestan 56.000 Jagdgewehre registriert, schrieb das Blatt. Wahrscheinlich seien jedoch in dagestanischen Haushalten fünf bis sieben Mal mehr illegale Waffen versteckt. Auf dem überall in Russland florierenden Schwarzmarkt könnten die Bürger ohne Probleme Pistolen und Gewehre erstehen. Die weit verbreitete und rückstoßfreie Pistole "Makarow" sei schon ab 900 Euro, die treffsichere TT-Pistole ab 1350 Euro zu haben.

Vor einem Jahr hatte die Staatsduma einen Gesetzentwurf des Regionalparlaments von Kaliningrad zurückgewiesen, die Liste der legal erhältlichen Waffen zur Selbstverteidigung zu erweitern. (APA/dpa)

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