Gericht gibt Dichand gegen Dragon recht

16. September 2004, 20:50
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Klage wegen übler Nachrede - Nicht rechtskräftig

In einer gerichtlichen Nebenfront des Konflikts rund um die "Kronen Zeitung" ist am Donnerstag ein Punkt an "Krone"-Chef Hans Dichand gegangen. Das Wiener Landesgericht gab seiner Klage gegen Friedrich Dragon, langjähriger früherer Weggefährte und nun als Vertreter der WAZ-Gruppe Widersacher, wegen übler Nachrede Recht. Dragon meldete Berufung an, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Anlass der Klage war eine Aussage Dragons in der "Presse" im Zuge der kontroversiellen Behauptungen von Dichands Sohn Michael über angebliche Verbindungen der WAZ zur Balkan-Mafia. Dragon vertrat in der "Presse" im September 2003 die Ansicht, dass Dichand senior von den Unternehmungen seines Sohnes gewusst habe. Daraufhin klagte Hans Dichand. Richterin Natalia Frohner sah indes den Wahrheitsbeweis nicht erbracht. Michael Dichand sei eine "eigenständige Persönlichkeit", dass er seinen Vater von seinen Recherchen in Südosteuropa und Plänen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, berichtet habe, sei im Zuge des Verfahrens nicht herausgekommen.

Gericht sah keine Hinweise auf "Mittäterschaft"

Hans Dichands Sohn Michael hatte vor einem Jahr in einem Interview behauptet, die WAZ mache am Balkan Geschäfte mit der Mafia, was von der deutschen Verlagsgruppe, die 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" hält, als "unglaubliche Verleumdung" zurückgewiesen wurde. Im Zentrum des Verfahrens stand nun die Frage, ob Hans Dichand von den Aktivitäten seines Sohnes in dieser Sache vor der Publikation der Vorwürfe gewusst habe. Dragon hatte diese Ansicht in der "Presse" am 20. September vertreten.

"Das ist ja nicht ohne Wissen von Hans Dichand passiert", wurde Dragon in der "Presse" zitiert. Dichand sah darin üble Nachrede. Und auch die Richterin sah am Donnerstag in ihrer Urteilsbegründung "keinen Anlass", Hans Dichand "der Mittäterschaft zu bezichtigen".

Für Hombach aber lag Verbindung "auf der Hand"

Dem WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach, am Donnerstag als Zeuge geladen, hatte Dragon indes "aus dem Herzen gesprochen". Auch er habe sofort an eine Verbindung zwischen Hans Dichand und den Aktivitäten seines Sohnes gedacht, "das lag ja auf der Hand". Abgesprochen sei Dragons Aussage aber nicht gewesen, "Herr Dragon sagt seine Sätze", betonte Hombach. Er unterstrich weiters nachdrücklich, dass die von Michael Dichand geäußerten Vorwürfe schlicht "abenteuerliche Konstrukte" seien.

Schumann: "Ganz Deutschland lacht" über Mafia-Behauptung

Auch Erich Schumann, geschäftsführender Gesellschafter der WAZ-Gruppe, war am Donnerstag als Zeuge zugegen. Und versicherte: Seit 1998 sei man in Kroatien Partner von Ninoslav Pavic, mit dem man sich die European Press Holding (EPH) zu je 50 Prozent teile, und habe "überhaupt keinen Anlass, an Pavic' Integrität zu zweifeln". Der habe sich "immer total korrekt verhalten - manchmal etwas korrekter als andere Partner, die wir haben", so ein möglicher kleiner Seitenhieb auf einen "anderen Partner" der WAZ in Österreich.

Von einem angeblichen Geheimvertrag mit einer angeblich mafiösen Firma namens GRUPO, der die WAZ 25 Prozent ihrer Einkünfte ihrer Region abtrete, könne ebenfalls keine Rede sein - im Gegenteil: "Es lacht ganz Deutschland darüber. Jeder, der uns kennt, weiß, dass wir uns nicht so gern von Geld trennen", so Schumann, dessen Medienkonzern gerne eine geradezu sprichwörtliche Knauserigkeit unterstellt wird.

Am Mittwoch wollte Schumann aber nicht knausern - eine Rückerstattung der Reisekosten durch das Gericht lehnte er ab. Schließlich habe er den Verhandlungstermin mit beruflichen Verpflichtungen in Wien kombinieren können. Gestern fand eine Sitzung des Gesellschafterausschusses der "Kurier"- und "Krone"-Tochter Mediaprint statt. Bodo Hombach verzichtete dankend auch auf eine Zeitbestätigung des Gerichts: "Mein Arbeitgeber weiß ja, wo ich bin."

Dragons Verurteilung zu 30 Tagessätzen wurde bedingt ausgesprochen, darüber hinaus muss die "Presse" das Urteil veröffentlichen, die Ausgabe vom 20. September 2003 wird rückwirkend eingezogen. Das Urteil ist aber nicht rechtskräftig, Dragon legte Berufung ein. (APA)

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