Jagd auf Singvögel: Salzkammergut beginnt Saison trotz EU-Klage

23. September 2004, 21:20
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Bezirkshauptmannschaft genehmigte Jagd - Vögel kommen über Winter in Volieren, werden nach Schönheit bewertet und im Frühjahr freigelassen

Im Salzkammergut hat am Mittwoch die traditionelle Jagd auf Singvögel wieder begonnen. Die Bezirkshauptmannschaft hat die Genehmigung erteilt, obwohl die EU-Kommission dagegen geklagt hatte. Die Klage erfolge wegen inkorrekter Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie.

Vögel kommen in Volieren und werden nach Schönheit bewertet

Gefangen werden bei der Jagd Gimpel, Zeisig, Stieglitz und der Fichtenkreuzschnabel. Rund 2.500 Vögel gehen pro Saison in die Netze. Danach werden die kleinen Tiere in Volieren gehalten und bei Ausstellungen nach ihrer Schönheit bewertet und prämiert. Nach dem Winter werden die Vögel wieder frei gelassen.

Heute sind im Salzkammergut noch einige hundert Vogelfänger in mehreren Vereinen organisiert. Von 15. September bis 30. November jeden Jahres streifen sie mit Genehmigung der Bezirkshauptmannschaft und Forstverwaltung durch die Almen. Den Vorwurf der Tierquälerei weisen sie zurück, sie bezeichnen sich im Gegenteil als "Vogelfreunde".

Brauchtum der Salinenarbeiter und Forstleute

Der "Vogelfang im Salzkammergut" hat eine Jahrhunderte lange Tradition. Erstmals erwähnt wurde er im Jahr 1579, als Kaiser Rudolf II. von Habsburg seinen Forstmeister in Linz anwies, der einheimischen Bevölkerung den Vogelfang zu gestatten. Auch Kaiserin Maria Theresia soll dem Brauchtum, das vor allem von Salinenarbeitern und Forstleuten ausgeübt wurde, wohlgesonnen gewesen sein.(APA)

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    Stieglitz & Freunde werden seit Jahrhunderten im Salzkammergut gefangen und über Winter in Volieren gehalten

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