Zwei Zauberworte für Fondssparer

24. Mai 2005, 17:59
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Der Zinseszinseffekt und der Effekt des Durchschnittspreises helfen das Kapital durch Zinsgewinne zu vermehren und Börsengewitter besser zu überstehen

Die Fondsindustrie hofft nach dem bis jetzt mäßigen Jahr auf eine Herbstrallye. Beruhigung beim Ölpreis, die US-Wahlen und positive Meldungen über das Anlaufen des Weihnachtsgeschäftes sollten die Bremsklötze entfernen und Geld in die Aktienbörsen lenken. Allerdings lasten die Furcht vor Verlust des Schwungs beim Aufschwung, Inflationsängste und Unklarheit über das Tempo der Zinsschritte auf den Investoren.

In Österreich haben die Fondseinlagen mit fast 119 Milliarden Euro zwar per Juli einen Höchststand erreicht - und da private Vorsorge erst am Start steht, darf sich die heimische Finanzindustrie wohl auch auf wachsende Volumina einstellen.

Verhaltene Stimmung gegenüber Aktien

Insgesamt aber, beschreibt etwa die Schoellerbank Invest AG, bestehe beim Publikum eine sehr verhaltene Stimmung gegenüber Aktien. Der Abschied erfolge entweder in extremer Form - also mittels Rückkehr zum Sparbuch, zur Termineinlage oder zu den Anleihen - oder durch das Kaufen von Verlustbegrenzungsmechanismen.

Das bieten etwa Garantie- und Kapitalschutzprodukte, Total-Return-Fonds oder Hedgefonds, die seit Februar auch von den österreichischen Kapitalanlagegesellschaften in Form von Dachfonds angeboten werden.

Beliebte Ansparpläne

Für jede Art der Vorsorge, sagt Andreas Zakostelsky, Chef der Raiffeisen Capital Management, seien Ansparpläne, also monatlich regelmäßiges Ansparen in ein Fondsprodukt, beliebt.

Dabei hilft langfristigen Ansparern das so genannte Cost-Averaging, der Durchschnittspreiseffekt: Durch Einzahlung der immer gleichen Summe werden in Zeiten hoher Kurswerte beim Fonds weniger Anteile gekauft, in Zeiten schwacher Kurse mehr.

Das hat langfristig den Vorteil, dass Ansparer dann mit mehr Anteilen die Aufwärtsphase mitmachen und so vom Aufschwung beim Kurs überproportional profitieren können. Oft werde, so Zakostelsky, dann vor einem festgelegten Entnahmezeitpunkt ein Ablaufmanagement eingezogen, um Kurswertverluste knapp vor der Auszahlung zu umschiffen.

"Achtes Weltwunder"

Der zweite Helfer beim langfristigen Ansparen - ohne Entnahme des Kapitals - ist der so genannte Zinseszinseffekt. Der deutsche Wirtschaftsweise Bert Rürup bezeichnet ihn gern als das "achte Weltwunder".

Durch ihn vermehrt sich das angelegte Geld über lange Zeiträume nämlich nicht linear, sondern um einen bestimmten exponentiellen Faktor, der sich aus dem immer wieder investierten Zinsgewinn ergibt.

Wirft dabei ein Produkt fünf Prozent Rendite pro Jahr über zehn Jahre hinweg ab, dann bleiben am Ende wesentlich mehr als zehn mal fünf Prozent. Diese Effekt setzt überall dort ein, wo Kapital und Zinsgewinne nicht entnommen werden.

Effekt wirkt auch bei geringerer Verzinsung

Raiffeisen hat in der Grafik diesen Effekt mit einer angenommenen jährlichen Rendite von acht Prozent errechnet - das erscheint ambitioniert, aber der Effekt wirkt auch bei geringerer Verzinsung. Wer seiner Bank im ersten Jahr 100 Euro zu einem jährlichen Zinssatz von fünf Prozent überlässt, hat nach einem Jahr 105 Euro. Nach zwei Jahren sind es 110,25 Euro (fünf Prozent von 105 sind 5,25 Euro).

Im dritten Jahr wird diese Summe veranlagt und mit fünf Prozent verzinst usw. Solcherart ist es nicht nur Eigennutz der Banken, wenn sie Anlegern "früh anfangen, langfristig ansparen" empfehlen. Allerdings: Solche Rechnungen stimmen schon im Prinzip, über lange Zeiträume lassen sich aber weder Wirtschaftswachstum noch Börsenentwicklung noch Inflation klar prognostizieren. (Karin Bauer/DER STANDARD Printausgabe, 16.09.2004)

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