Siamesische Zwillingsoperation: Hoffnung für das überlebende Mädchen

18. September 2004, 13:30
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Ein Zwilling starb an Blutverlust und Herzproblemen nach der 18 Stunden- Operation

Baltimore - Die Zeichen für die kleine Lea aus Lemgo in Nordrhein-Westfalen stehen nach der schweren Trennungsoperation so gut, dass sie möglicherweise schon im Oktober die Klinik verlassen kann. "Wenn alles gut geht, kann sie in einem Monat entlassen werden kann", sagte Neurochirurg Benjamin Carson am Donnerstag in Baltimore.

Carson hatte den schweren Eingriff geleitet, der das Leben von Leas Schwester Tabea kostete.

18 Stunden im OP

Der hohe Blutverlust und eine Herzschwäche haben zum Tod der kleinen Tabea aus Lemgo in Nordrhein-Westfalen geführt. Das Siamesische Zwillingsmädchen starb nach Angaben ihrer Ärzte etwa ein bis zwei Stunden, nachdem sie von ihrer Schwester Lea getrennt worden war.

Schwerern Eingriff erstreckte sich über gut 18 Stunden. Kurz vor Ende der Operation habe Tabeas Zustand plötzlich Eile geboten. Zu jenem Zeitpunkt seien bereits 90 Prozent der gemeinsamen Blutgefäße im Hirn der Mädchen getrennt gewesen, sagte Carson. Aus Sorge um Tabeas Herz hätten die Chirurgen den lebensgefährlichen Eingriff schneller beendet als vorgesehen. Ob dies zu Tabeas Tod beigetragen haben könnte, ließen die Experten offen.

Tot war überraschend

Die Ärzte waren laut Carson überrascht vom Tod der einjährigen Tabea. "Wir haben Tabeas Tod nicht erwartet", sagten sie. Dagegen hätten die Eltern der Siamesischen Zwillinge, Nelly und Peter, sehr gefasst auf die Nachricht reagiert. Sie hatten von der Johns Hopkins Universität in Baltimore ein Zimmer in der Klinik zugewiesen bekommen, in dem sie sich während der langen Operation aufhielten.

Zwillinge wurden nach der Operation zusammengebracht

Unmittelbar nach der Trennung hätten sie ihre beiden Kinder erstmals wieder gesehen. Das Glück dauerte jedoch nur wenige Stunden. Johns-Hopkins-Anästhesistin Deborah Schwengel sagte Journalisten, dass die beiden Babys im Verlauf der Operation mehr Blut verloren hätten, als in ihrem eigenen Körper zirkulieren habe.

Aufgebot an Ärzten

Insgesamt kämpften laut Klinik 17 Neurochirurgen, 5 Plastische Chirurgen, 14 Anästhesisten, 42 Krankenschwestern und 22 technische Experten um das Überleben beider Zwillinge. Über die Kosten wurde weiterhin Stillschweigen bewahrt. Es habe einige Spenden gegeben, hieß es.

Die Eltern, Nelly und Peter, waren bisher bei keiner Konferenz. Sie haben einen Exklusivvertrag mit dem "Stern" abgeschlossen.(APA/dpa)

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