Weniger Todesurteile in den USA

17. September 2004, 09:37
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Informationszentrum sieht Wandel in der öffentlichen Meinung

Washington - Die Zahl der Todesurteile in den USA ist nach Angaben von Exekutionsgegnern in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Angesichts der weit verbreiten Kontroverse über die Angemessenheit dieser Strafe sprächen sich Geschworenengerichte immer seltener für die Hinrichtung von Angeklagten aus, erklärte das Todesstrafen-Informationszentrum am Mittwoch in Washington. Auch das Moratorium für Hinrichtungen im Staat Illinois habe einen Einfluss auf entsprechende Entscheidungen gehabt.

Es bestünden verstärkt Zweifel daran, ob es gerechtfertigt sei, einen Menschen hinzurichten, wenn sich in fünf oder zehn Jahren vielleicht seine Unschuld herausstellen könnte, erklärte Richard Dieter, der Direktor des Informationszentrums. Demnach wurden in den 90er Jahren durchschnittlich 290 Todesurteile pro Jahr verhängt. Zwischen 2000 und 2003 betrug dieser Durchschnitt "nur" noch 174. Im vergangenen Jahr wurden den Angaben zufolge 143 Todesurteile ausgesprochen - die niedrigste Zahl seit 1977, als der Oberste Gerichtshof die Wiederzulassung von Exekutionen erlaubte.

Laut dem Bericht des Informationszentrums wurden in den letzten Jahren 116 Todesurteile nachträglich verworfen. In 14 Fällen hätten DNA-Tests die Unschuld des Verurteilten ergeben. Auch dies habe die öffentliche Meinung ebenso wie die Entscheidungen von Geschworenen gegen Exekutionen beeinflusst. Kritiker argumentierten allerdings, dass viele Urteils nur wegen Verfahrensfehlern aufgehoben worden seien. Eindeutige Zweifel an der Schuld des Angeklagten hätten sich höchstens in rund 40 Fällen ergeben, erklärte Kurt Scheidegger von der Stiftung für Strafrecht, die Hinrichtungen befürwortet. (APA/AP)

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