Steirische Karriere-Leiter am Löschwagen

16. September 2004, 21:14
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Ehrenamtliche bei Rettung und Feuerwehr werden im Landesdienst bevorzugt eingestellt

Graz - Wenn eine Bewerberin für eine Stelle im Kulturamt des Landes Steiermark den Job trotz einschlägiger Berufserfahrung nicht bekommt, weil sie nie an Löscharbeiten in ihrem Heimatdorf beteiligt war, muss das niemand verstehen. Ein gemeinsamer Beschluss, den ÖVP, SPÖ und FPÖ am Dienstag im Verfassungs- und Verwaltungsausschuss des Landtages gefasst haben, segnet künftig dennoch solche Personalentscheidungen ab. Ursprünglich auf Antrag der FPÖ soll nämlich Bewerbern, die ehrenamtlich bei Rettung oder Feuerwehr tätig waren, bei Reihungsgleichheit im Landesdienst "der Vorzug gegeben werden".

Wörtlich heißt es in der Stellungnahme der Landesregierung weiter, "dass eine solche ehrenamtliche Tätigkeit bei Aufnahmegesprächen im Rahmen der Personalauswahl hinterfragt werden soll".

Kritik

Landtagsabgeordnete Edith Zitz, die für die Grünen im Verfassungsausschuss sitzt, kritisiert das als "verfassungswidrig und eine Verletzung des Gleichbehandlungsgebotes und Landesdienstgesetzes". Zitz im STANDARD-Gespräch: "Da reden wir dauernd über Objektivierungen, und dann trifft man Entscheidungen fernab von persönlichen oder beruflichen Qualifizierungen". Darüber hinaus sehe Zitz nicht ein, warum das Land berechtigt sein sollte, "in Erfahrung zu bringen, wer bei welcher Organisation seine private Zeit verbringt". Dem Ausschussvorsitzenden und Klubchef der Landes-VP Christopher Drexler und seinen SP-Kollegen wirft Zitz Unbedachtheit vor: "Denn das Blaulicht repräsentiert ja das Gute in der Steiermark, und da setzt die Rationalität im Steirerhirn offenbar völlig aus."

Ehrenamtliche Tätigkeiten

Drexler versteht die Aufregung nicht: "Ich habe schon Hunderte Bewerbungsschreiben gesehen. Die meisten schreiben da ehrenamtliche Tätigkeiten von sich aus hinein. Außerdem muss ja niemand auf die Frage, ob er bei der Feuerwehr ist, antworten."

Die Grünen bieten Bewerbern für den Landesdienst gratis Rechtsberatung an. (cms, DER STANDARD Printausgabe 16.9.2004)

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