Drei Millionen Euro Nebenkosten

12. Mai 2005, 10:49
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Die Schönen, die Reichen und die anderen: der exklusivste Spielplatz an der Costa del Sol

Manchmal ist es ein nettes Gefühl, für reich und berühmt gehalten und sicherheitshalber fürs Urlaubsalbum anderer Leute fotografiert zu werden. Den drei braun gebrannten Männern in Teakholz-Liegestühlen auf dem Achterdeck einer Multi-Millionen-Yacht am Kai von Puerto Banus ergeht es diesen Morgen so.

Was die Flaneure entlang der Anleger von Marbellas Nobelhafen nicht wissen: Vor ein paar Minuten haben die drei noch das Deck geschrubbt und die Bordwand poliert. Wenn der Eigner nicht da ist, können die Angestellten sein Schiff genießen - nur sauber und jederzeit ablegebereit müssen sie das 35 Meter lange Fiberglas-Geschoß halten. Und das, obwohl eigentlich keiner mehr wegfahren mag, wenn er hier einmal einen Liegeplatz ergattert hat.

Leonardo Llorente Esteban schmunzelt täglich über solche Szenen. Der Mann ist seit über 30 Jahren Hafenkapitän von Puerto Banus, kennt die Eigner der Privatyachten in Kreuzfahrtschiff-Dimensionen, scherzt mit den angestellten Skippern und Stewards und muss zwischendurch Probleme lösen - zum Beispiel möglichst diskret Platz in Europas Luxushafen Nr. 1 zu schaffen, wenn sich mit nur einem Tag Vorlauf die Yacht der Fürstenfamilie aus Monaco oder des schwedischen Königs an der Costa del Sol ankündigt.

Normalerweise sind die begehrten Liegeplätze an Marbellas Sonnenseite auf Jahre hinaus ausgebucht. "Das klappt trotzdem immer irgendwie", sagt Esteban. Größere Probleme bereiten ihm die Falschparker am Kai: "Du kannst sie abschleppen. Du kannst ihnen Strafzettel verpassen. Aber wenn du einen Ferrari auf den Haken nimmst, ist schnell ein Kratzer drin - und das zu reparieren ist teurer als das, was der Strafzettel einspielt. Da musst du jedes Mal neu überlegen, was du tust . . ."

915 Boote liegen in Puerto Banus - die größten bis zu 70 Meter lang und viele Decks hoch. Vor allem reiche Araber "parken" hier ihre schwimmenden Villen. Wenn an Bord gefeiert wird, ist Leonardo Llorente Esteban unter den Gästen. Am liebsten geht er auf das Schiff des saudischen Prinzen Salman: "Wegen der Kunst dort und der besonderen Stimmung." Der Prinz veranstaltet an Bord Ausstellungen für seine Freunde. "Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Picassos, wie viele Van-Gogh-Originale ich im Laufe meines Lebens auf Schiffen gesehen habe", sagt Llorente lachend.

Prinz Salman ben Abdelaziz al-Saud ist es auch gewesen, der Marbella die Moschee gestiftet hat. Mittlerweile ist sie zu klein geworden. Gerade erst wurde der Brunnen im Vorhof abgetragen, die gewonnene Fläche mit Marmor ausgelegt - um mehr Platz für die wachsende Zahl der Betenden zu schaffen. Wegen der vielen Teilzeit-Zugezogenen aus dem Morgenland.

Marbella dürfte Europas exklusivstes Pflaster sein, hat das Kasino mit den höchsten Glücksspieleinsätzen Spaniens, die meisten und größten Villen der Costa del Sol - und die exklusivsten Boutiquen. Trotzdem fürchten die Geschäftsleute der 120.000-Einwohner-Stadt ihren nahen Untergang: Bei seinem letzten Marbella-Urlaub hat der saudische König Fahd, dessen riesiger, schneeweißer Sommerpalast "Mar-Mar" sich in den Hügeln erhebt, mitsamt Gefolge nur noch drei Millionen Euro am Tag ausgegeben. Im Urlaub zuvor waren es noch fünf gewesen. Zum Trost für die Geschäftskassen ist er vergangenes Mal zwei Monate geblieben.

An guten Tagen ließ der König einmal sämtliche verfügbaren Handys in der Stadt aufkaufen, einmal für einen kleinen Ausflug 300 silberne Limousinen anmieten. "Manchmal bekommen wir abends einen Anruf", erzählt Mercedes de Casas, "dass wir früh am nächsten Morgen 50 Torten und 25 Kilo Marzipanpralinen in den Palast liefern sollen - ein nettes Zubrot zum Alltagsgeschäft."

Das kleine Familienunternehmen Goyo in der unscheinbaren Calle Alonso de Bazán mitten im Zentrum ist zur saudischen Hofkonditorei avanciert. Wenn Mercedes de Casas die Torten mit ihrem Kleinlaster ausliefert, muss sie ungefähr eine Jahresproduktion Überwachungskameras an den Umfassungsmauern und viele Kontrollen passieren, bis sie im Inneren des Palastes ist und die Konfektkartons abgeben kann.

Goyo wirbt nicht mit dem Hoflieferanten-Status. Wenn Urlauber sich ein Sackerl mit den zuckersüßen "Marzapan con Piñones"-Pralinen für drei Euro kaufen, wissen sie meist nicht, dass sie dieselbe Leidenschaft haben wie König Fahd. Bei allem Reichtum der Zugezogenen, der etwa 80.000 Zweitwohnsitz-Residenten, bei allem Protz in Puerto Banus und allen Nobelnamen an den Boutiquentüren - die Einwohner sind bodenständig geblieben. "Vor fünfzig Jahren war das hier ein Fischerort ohne Hotelbett", erzählt Marta Feato. Sie hat ihr Altstadthaus in ein kleines Hotel umgebaut, vermietet fünf Zimmer fern der zahllosen Luxusherbergen und für einen Bruchteil der dort üblichen Preise. Dafür findet ihr Hotel nur, wer es sucht. Versteckt liegt es im Labyrinth der maurischen Altstadt Marbellas in einer Gasse, die zu schmal für Autos ist. In der Nachbarschaft gibt es ein paar Tapas-Bars, wo fast nur Einheimische hingehen und Fremde trotzdem willkommen sind. Es gibt viel Alltag, viel Atmosphäre - und mit großer Wahrscheinlichkeit keine Prominenten, mit Sicherheit keine Ferraris. (Der Standard/rondo/17/9/2004)

Von Helge Sobik

Info

Hotel "La Morada Mas Hermosa": La Morada Mas Hermosa
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    Puerto Banus

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