Die Nase des Mannes

26. Juli 2005, 10:12
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Mit L'Instant de Guerlain pour Homme schlägt der französische Duft-Traditionist die Brücke vom klassischen Gentleman zum Zeitgenossen, der die Städte bevölkert

Tante Jolesch käme aus dem Staunen nicht mehr raus. Nicht nur sind die Männer heutzutag deutlich schöner wie die Affen, sie riechen besser. Wer die Gelegenheit hat, die Probe aufs Exempel zu machen, und sich einen Affen zur Brust nehmen kann, weiß: bei weitem.

Das Thema Duft hinkte dem Trend zum männlichen Körperkult und zum neuen Stil-Bewusstsein, Stichwort metrosexuell, in seiner Rasanz etwas hinterher. Fitness-Studio, Sonnenbank, Pflege-Kosmetik als erweitertes Rasier-Ritual - das geht grad noch. Beim Duft zog man - bis jetzt - gerne mal die Grenze, als gäbe es eine unsichtbare Chinesische Mauer, die das Reich der echten Jungs unüberwindlich von dem der nicht so echten Jungs trennt.

Bis dato war echten Jungs aller Altersklassen die Verwendung klassischer Duftwässer durchaus gestattet. Englischer Lavendel etwa, oder die Zitrus-Düfte von Creed und vor allem die olfaktorischen Konstruktionen aus Hölzern und Blüten-Essenzen von Guerlain boten die duftende Ergänzung für Bilder von eleganten Herren, die am schweren Ledersofa in ihrer Bibliothek adjustiert im seidenen Morgenmantel, einen Cognac-Schwenker wiegend, versonnen den Blick aus dem hohen Fenster über die Weiten ihres Anwesens schweifen ließen.

Düfte wie Habit Rouge oder Vetiver von Guerlain senden solche Signale von Eleganz und Lebensgefühl aus und sind als solche aus dem Panoptikum der männlichen Stile nicht wegzudenken.

Nun ist der Landhausbesitzer und Rolls Royce-Fahrer nicht die einzige Ikone, die am Horizont männlicher Sehnsüchte steht. Die sich in der metropolitanen Schnelllebigkeit behaupten können, in kreativen Berufen reüssieren, Lebensstile außerhalb der Norm pflegen, haben schon ihre Namenstafeln in Walhalla. Dieser - neuen - Generation will auch ein Traditionist wie Guerlain ein Angebot machen, das die Nase des Mannes nicht ablehnen kann. Den Auftrag zur Angebotserstellung vergab Guerlain an Béatrice Piquet vom Duftentwickler International Flavors and Fragrances, aus deren Labors die Mehrzahl der relevanten Düfte der letzten Jahre stammt.

In diesen neuen Duft, der die Guerlain-Hymne in einer neuen Tonlage spielen soll, packte sie eine subtile Mischung aus blumigen und würzigen Akkorden, der das Versprechen des ersten Aufsprühens bis zum endgültigen Verblassen hält. Bei L'Instant de Guerlain pour Homme ist dies in hohem Maße gelungen. Der Flakon löst den Anspruch der Verknüpfung von Tradition und Moderne auf seine Weise ein. Noch was: Der Duft ist schlicht und einfach sexy. L'Instant der Guerlain pour homme schlägt eine Bresche in die unsichtbare Chinesische Mauer zwischen den Reichen der echten und der anderen Jungs und erklärt die Grenzen für aufgelöst. Er wird wohl nicht der einzige bleiben, und die Tante Jolesch muss ihre Formulierkraft anderen Lebensbereichen zuwenden. (DERSTANDARD/rondo/B.L./17/09/04)

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