Die Stadt entdeckt die Terrasse neu

26. September 2004, 23:01
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Wien verliert pro Jahr 8000 Menschen, durch Stadtflucht - Wohnungen die das Gefühl geben, im Grünen zu wohnen sollen dem Trend gegensteuern

Wien - Es ist 26 Jahre her, dass die ersten Mieter in den "Wohnpark Alt Erlaa", die Wohntürme des Architekten Harry Glück, zogen. Und neben Dachschwimmbädern und Gemeinschaftsräumen, stechen hier vor allem die Balkone optisch hervor. Balkone, die sich nach unten hin immer weiter ausdehnen - bis sie Terrassendimension erreichen: Bis heute sind Wohnparkbewohner mit "ihrem" Bau meist zufriedener, als Bewohner anderer Anlagen des städtischen Wohnbaus.

Wohnangebote mit Grünraum

Dennoch klagte Glück über Jahre, mit seinem Credo, dass der Flucht aufs Land und der "Speckgürtelisierung" durch Einfamilienhäuser am Stadtrand nur durch Wohnangebote mit Grünraum und landähnlichen Assets paroli geboten werden könnte, wenige Gehör zu finden: Bis heute verliert Wien pro Jahr 8000 Menschen, durch Stadtflucht.

Ein Gefühl von Grün

Diesem Trend wollen Stadtregierung und Grüne nun durch ein neues Konzept entgegenwirken: Am Mittwoch stellten Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP) und Grünen-Klubchef Christoph Chorherr einen Architekturwettbewerb zur Errichtung von knapp 300 Wohnungen auf den Favoritner Tarbukgründen vor. Clou der Sache: Die Wohnungen sollen ihren Bewohnern durch Terrassen "das Gefühl geben, im Grünen zu wohnen und dabei alle Vorteile des städtischen Lebens genießen zu können."

Neue Typologie von Urbanität

Man suche "nach Konzepten, die nicht nur den Bewohnern der obersten Etagen sondern möglichst vielen Luft, Licht und einen uneinsehbaren Freiraum mit großzügiger Bepflanzung" böte. Und Grün-Mandatar Chorherr freut sich auf eine "neue Typologie von Urbanität, die über Wien hinaus beispielhaft werden" könnte.

Der Architekturwettbewerb "Terrassenhaus" ist ein offener Wettbewerb, aus dem 35 Entwürfe in eine engere Wahl kommen. 2005 soll das Siegerprojekt feststehen, die Fertigstellung der Wohnungen ist für 2007 avisiert. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 16.9.2004)

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    Suche "nach Konzepten, die nicht nur den Bewohnern der obersten Etagen sondern möglichst vielen Luft, Licht und einen uneinsehbaren Freiraum mit großzügiger Bepflanzung" bietet

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