Bessere Töne bei Bösendorfer

24. September 2004, 19:41
posten

Schwarze Null 2004, leichter Gewinn 2005

Wien - Johann Zwettler, Chef der gewerkschaftseigenen Bawag/PSK, hofft auf gute Töne. Die Bawag-eigene Klaviermanufaktur Bösendorfer soll heuer aus ihren betriebswirtschaftlichen Dissonanzen herauskommen.

"Für 2004 streben wir eine deutliche Ergebnisverbesserung, eine schwarze Null an. 2003 hat Bösendorfer einen Verlust ausgewiesen, hatte aber einen positiven Cashflow", so der Bawag-Chef.

Gerüchte, wonach das Unternehmen im Vorjahr eine Mio. Euro verloren habe und einen Partner suche, "stimmen nicht", so Zwettler. Mit Mitarbeiterabbau (von 210 auf rund 190) und Kurzarbeit sei es jedenfalls vorbei, nun solle "der Marktaufbau Früchte tragen".

400 Klaviere pro Jahr

Rund 350 bis 400 in der Fabrik in Wiener Neustadt hergestellte Klaviere verkauft Bösendorfer im Jahr, der Großteil geht in den Export. Im fernen Ausland, namentlich in China, Japan, Korea und Russland, sieht man denn auch die große Chance.

"In China gibt es viele begüterte Leute, die sich Klaviere leisten können. Anschließend wollen wir den russischen Markt aufbereiten." Zwettlers Ziel: Den Verkauf auf 450 Klaviere im Jahr ankurbeln und so "einen vernünftigen Gewinn im einstelligen Millionenbereich erzielen". Zur Erklärung: Ein Stück Bösendorfer kostet zwischen 35.000 und 100.000 Euro.

Umstrittene Übersiedlung

Die umstrittene Übersiedlung der Büros und Schauräume aus Wien-Wieden in die von Josef Hoffmann erbaute Hietzinger Villa Primavesi (arisiert, restituiert, heute im Eigentum der Bawag-PSK Immobilien AG) verteidigt Zwettler.

Aufbegehrende Bürger will er mit "vernünftigen Argumenten" überzeugen, dass Nachbar Bösendorfer "sehr leise und sanft" wäre. Die Kosten für Adaptierung der Villa und Bau eines Konzertsaals und einer Garage beziffert der Banker mit "fünf bis sieben Mio. Euro."

Zahlen würde das die Bawag-Immobilientochter, deren Mieter Bösendorfer würde. Auf der Wieden zahlt Bösendorfer angeblich 190.000 Euro im Jahr an die (konzernfremden) Hauseigentümer, "durch die Übersiedlung bliebe die ähnlich hohe Miete im Konzern", so Zwettlers Rechnung. Und was, wenn die Übersiedlung nicht klappt? "Dann verwerten wir die Villa, indem wir sie einem Dritten vermieten oder verkaufen." (Renate Graber/ER STANDARD Printausgabe, 169.2004)

Share if you care.