"Eier-Piraterie" bei Fröschen

22. September 2004, 12:26
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Grasfrosch-Männchen besamen Laichballen, die bereits von einem anderen Konkurrenten befruchtet wurden

London/Konstanz - Grasfrosch-Männchen haben nach Beobachtungen Konstanzer Forscher ein verblüffendes Paarungsverhalten: Wenn ein anderes Männchen bereits längst die Taille des Weibchens umschlungen und die abgelaichten Eier besamt hat, hindert dies andere Männchen mitnichten, den Laichballen ein zweites Mal zu besamen. "Auf den ersten Blick widerspricht dies den gängigen Theorien der sexuellen Selektion", sagte der Biologe Axel Meyer am Mittwoch. Doch erweise sich bei näherem Hinsehen, dass dieses Verhalten letztlich einen "Selektionsvorteil" bringe. Die Studie, für die die Feldforschung im spanischen Teil der Pyrenäen geführt wurde, wird in der jüngsten Ausgabe des Magazins "Nature" vorgestellt.

Das Paarungsverhalten des Grasfroschs (Rana temporaria) ist im Wesentlichen mit der klassischen Paarung von anderen Amphibien identisch: Das Männchen bespringt das Weibchen und besamt den Laich nach und nach, während er im Wasser abgelegt wird. Die Forscher aus Konstanz und Vigo in Spanien stellten jedoch fest, dass in 84 Prozent der Fälle eine Zweitbesamung erfolgte. Die Männchen, die zunächst nicht zum Zuge gekommen waren, umfassten dabei den Laich ebenso als wenn es sich um ein Weibchen handelte. Bisweilen verfolgten Männchen sogar ein paarungswilliges Paar, um möglichst schnell jenem Verhalten nachgehen zu können, welches Meyer als "Eier-Piraterie" bezeichnet.

Die Grasfrosch-Weibchen legen im Schnitt 400 Eier, nicht alle werden bei der Erstbesamung befruchtet. Beim Eier-Zählen konnte Meyers Mitarbeiter David Vieites in dreijähriger Feldforschung ermitteln, dass 24 Prozent der Embryonen durch die "Eier-Piraterie" befruchtet wurden. "Das Weibchen hat keine Kontrolle, wer der Eier-Pirat ist", sagte Meyer. Das widerspreche dem sonst bei vielen Tierarten bekannten Prinzip der Weibchen-Wahl. Obwohl der Grasfrosch als in weiten Teilen Europas verbreitete Art seit Jahrhunderten erforscht werde, sei die Eier-Piraterie "nie zuvor beobachtet worden". (APA)

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