Auktionshaus gegen Auktionshaus

20. September 2004, 20:19
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Alfred-Sisley-Gemälde in Paris restituiert

Paris/New York - Ein 1942 von den Nationalsozialisten in Paris geraubtes Gemälde des Impressionisten Alfred Sisley, Soleil de printemps, tournant du Loing, wurde im Juni des Jahres im Pariser Justizpalast seinem rechtmäßigen Eigentümer restituiert.

Pierre de Gunzburg, Enkel und Erbe des Sammlers Louis Hirsch, suchte seit 1982 zwei Sisley-Gemälde aus dem Nachlass seines Großvaters, die aus der Sammlung des Bankiers Jules Strauss stammten. Jules Strauss war der Großvater des Sotheby's Experten Andrew Strauss, der Pierre de Gunzburg bei seinen Nachforschungen half.

Und Jules Strauss war es auch, der dank aufgefundener Fotos der Gemälde, diese im Art Loss Register eintragen ließ. 1990 erfuhr der Erbe, dass Soleil de printemps wiederholt in Japan ausgestellt war. Aber erst nach einer internationalen strafrechtlichen Klage, d. h. der Einschaltung der französischen Justiz und einer Polizeieinheit, die gegen illegalen Handel mit Kunst agiert, konnte das Gemälde schließlich ausfindig gemacht werden. Der japanische Eigentümer übergab es der französischen Botschaft in Tokio, unter der Bedingung, dass sein Name anonym bleibt. Das von Andrew Strauss (Sotheby's) in Tokio als authentisch befundene Gemälde wurde rasch bei Christie's eingeliefert, wo es am 3. 11. in New York zu einem Schätzpreis von zwei bis drei Mio. Dollar versteigert wird.

"Christie's bot mir bessere Bedingungen", kommentiert der Verkäufer. Thomas Seydoux von Christie's meint, es ginge nicht um die finanziellen Konditionen, sondern um das Marketing. Eine Aussage, die Andrew Strauss mit englischem Phlegma und skeptischem Gentlemanlächeln quittiert. Ein Beispiel, wie aggressiv der Kampf zwischen den beiden großen Auktionshäusern geführt wird. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.9.2004)

Von
Olga Grimm-Weissert

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